Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Der Sabbath. stimmte Classe von Menschen besondere Rücksicht genommen worden; vielmehr sollten der wohlthätigen Folgen dieser großen Institution alle Nachkommen Adams theilhastig werden, eben weil alle von einem Ehepaareentsprossen sind, das im Ebenbilde Gottes erschaffen wurde, und folglich-durch Selbstheilignng sich Gott zu nähern bestimmt war. Daher wird hier bei der Schöpfungsgeschichte von dem Verbote, irgend eine Arbeit an diesen! Tage zu verrichten, gar keine Meldung gemacht; es erscheint hier der Sabbat nicht als ein Ruhetag, wie die Bibelausleger und manche Weltweise, worunter-auch Mendelsohn *), gemeint haben; weder Gott selbst hat an ihm geruht, in dem Sinne, wie dieses Wort gewöhnlich genommen wird, noch hat er Andern an ihm zu ruhen befohlen. Nicht einmal der Name Sabbat ist in der Schöpfungsgeschichte diesem Tage beigelegt worden, weil dieser Ausdruck bloß ein Aufhören bedeutet/und dieses Aufhören nicht den Grund dieser Institution ausmachte. Alle diese Einzelnheiten sind spateren Ursprungs, und kamen erst mit der sinaitischen Gesetzgebung zum Vorscheine, wovon weiter unten gesprochen wird. Ich finde mich daher veranlaßt, den Leser hier nochmals auf den Unterschied aufmerksam zu machen, der zwischen dem nur den Israeliten befohlenen Ruhetage und einem allgemeinen, gleich nach der Schöpfung gesegneten und geheiligten Tage obwaltet. Jener wird ausdrücklich (H. B. M. 31.13.) als ein Tag bezeichnet, der an den Bund erinnern soll, den Gott mit Israel insbesondere geschlossen hat; dieser hingegen deutet auf ein zwischen Gott und dem menschlichen Geschlechte überhaupt stattgefundenes Bündniß. Daß Gott wirklich nach der Schöpfung mit der gesummten Menschheit ein Bündniß eingegangen sei, erhellt aus dem oben Gesagten unzweideutig; denn was anderes ist das eingeführte wechselseitige Verhältniß, wie wir es zu erklären versuchten , als ein wahrer Bund zwischen Gott und dem Menschen? Daß aber auch die heilige Schrift diese Institution als einen Bund angesehen habe, entnimmt man aus mehreren Stellen, vorzüglich aus.jener, wo dem Noah eine bevorstehende Flut angekündigt wird, und Gott ihm verspricht (I. B. M. 6. 18.), er wolle an ihm seinen Bund halten. Zwar haben alle Bibelübersetzungen den Hifi mit aufrichten gegeben, allein ob dieß gleich die wahre Bedeutung des Wortes im isolirten Zustande fein kann, so ist sie doch in Bezug auf das Objekt rms gewiß unrichtig. Denn e i n e n B u n d a u fr i ch te n bedeutet nichts Anderes als einen Bund schließen, eingehen, also eine Beziehung eintreten lassen, die früher nicht vorhanden war; und dafür hat die hebräische Sprache schon die besonders dazu geeignete Redensart *) Siehe: Sammlung zerstreuter Aufsätze von M. Mendelsohn, heraüsM geben von I. Heineman». Leipzig 1831. S. 137.