Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 3 (März 1845)
- Date
- 1845-03-01
- Page
- Seite 107 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über Synagoge und Schule. 107 ihn mit einem der Vorsteher in persönliche Berührung bringt. So locker ist das Band zwischen der Gemeinde und dem Vorstande, und so steht der Vorstand, möchten wir sagen, der Gemeinde eher gegenüber, als daß er sie vertritt. Wie sehr dadurch das Interesse für die Gemeinde-Angelegenheiten bei den Einzelnen unterdrückt werden muß, namentlich da das sociale Leben in Hamburg diesem Mangel solchen Vorschub leistet, ist zu einleuchtend, als daß es einer Auseinandersetzung bedürfte. Wir sagm das sociale Leben und verstehen darunter besonders das Geschäftsleben. Der bei weitem größte Theil unserer Gemeinde-Mitglieder besteht aus Kaufleuten; nun wird Jeder, der das Hamburger Geschäft kennt, wissen, wir dieses hier, namentlich bei dem Mittelstände, (und daraus besteht Gottlob wieder der größte Theil, der Kern unserer Gemeinde) den ganzen Menschen in Anspruch nimmt. Die mächtige Coneurrenz, die großen Ausgaben, der weit ausgedehnte auswärtige Handel machen in Hamburg die Entwickelung einer Geschäfts-Thatigkeit nöthig, wovon man im Binnenlande höchst selten einen Begriff hat.' Das Hamburger Geschäft beginnt, wenn die Leute Morgens aufstehen, und endet, wenn sie sich zu Bette legen. Die davon abgehenden, nur zuweilen vorkommenden Erholungsstunden des späten Abends find dem thätigen rastlosen Manne nicht nur zu gönnen, sie find ihm sehr oft Bedürsniß. Genießt er doch auch diese selten ganz frei als bloßes Vergnügen; am öftersten dient auch ihnen irgend ein, wenn auch nur indirekter, Gefchästsnutzen zur Folie. Da bleibt denn dem, der ihn hält und feiert, natö als einziger Tag, an etwas Anderes als das materielle Wohl seiner Familie zu denken. Da hört man denn auch in den Stunden, die der Gottesdienst und konventionelle Einrichtungen übrig gelassen, Manches über die Gemeinde- Angelegenheiten sprechen; da wird getadelt und vorgefchlagen, da werden Pläne entworfen und Wünsche geäußert; kommen die doppelten Feiertage, dann wird's gar laut in der Gemeinde, da ist kein Häuflein, wo nicht über den Gottesdienst gejammert, oder wo er nicht von irgend einem Allzuängstlichen in Schutz genommen wird, da ist kein Haus, wo man nicht von Verbesserung spricht;, folgt dem zweiten Festtag noch ein nrM, dann sollte man glauben, es stände eine Umwälzung bevor, und bis zu den nächsten Feiertagen wäre Alles anders. Aber kaum ist das n^2N-Licht gelöscht, so sagt man auch der ganzen Sabbath-Beleuchtung Valet. Der Materialismus lockt mit der Wünschelruthe von der einen, treibt mit der Hetzpeitsche von der andern Seite den besorgten Familienvater in den Strudel des Geschästslebens; und im Nu sind alle Pläne, Wünsche und Besorgnisse für die Anstaltendes öffentlichen und geistigen Wohles in dem Eifer für die Sicherung des eigenen Heerdes, in dem Interesse für Preislisten und Courszettel verschwunden. Ein fernerer und leider jetzt schwerer zu beseitigender Grund des Ver-