Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 3 (März 1845)
- Date
- 1845-03-01
- Page
- Seite 101 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Historische Bemerkungen n\ 101 Kurz, es ist unwahrscheinlich , daß die Geonim eines so geringfügigen Zweckes wegen die gefahrvolle Reise unternommen haben, und selbst, wenn die Braut Tochter des vornehmsten Einwohners von Bari gewesen wäre. Ich habe an einem andern Orte gesagt, und zum Theil bewiesen, daß ^brsksm b. v. bei seiner Erzählung entweder mündlichen Traditionen oder fehlerhaften Urkunden gefolgt sei, wodurch seine Nachricht die Farbe der Ungenauigkeit angenommen. Auch hier bei nio man mag es dem ehrlichen Manne so ergangen sein! Er selber hat sich schwerlich etwas anderes dabei gedacht, als: „Ausstattung einer Braut," geschichtlicher Zusammenhang jedoch und Wahrscheinlichkeit führen uns zu einer andern Auffassung, n?- heißen bekanntlich die Akademieen in Babylonien, und die von Juden unterhaltenen,Hochschulen überhaupt, an welchen sich auswärtige Schüler aufhielten, oder zu bestimmten Jahreszeiten versammelten. Letztere hießen nVo ■m, wahrend die Vorsteher vom 7m. und abwärts rfo hießen. In Bari war um 950 eine solche Hochschule, die sich als Rivalin derer von Sura und Pumpeditha erhob. Letztere beiden Schulen waren es, die von der ganzen Judenheit, selbst aus dem in Feindeshand befindlichen Spanien, Einkünfte zogen, bis ein Verein von Verhältnissen im Abendlande entstand, die jene Zuflüsse versiegen machten, oder anderswohin leiteten. Nach dem Gesagten muß es nun als sehr wahrscheinlich einleuchten, daß die Hochschule zu Bari Versuche machte, sich auf die Weise der morgenlandischen Akademieen zu fundiren, daß sie bei Zunahme der Schüler und Lehrer Sorge trug, dieselben zu ernähren. Was ist nun natürlicher, als daß man von Zeit zu Zeit Männer aus dem Schooße der Akademie aussandte, und zwar Männer, welche dem Namen der hohen Schulen Ehre machen, um Theilnahme für das Studium und seine Träger zu wecken? Dieser Zweck der großen Reise ist dem Charakter der Reisenden sowohl, wie dem Ziele derselben ganz angemessen, entspricht auch vollkommen den damaligen Zuständen der Schule, und steht endlich im strengen Zusammenhänge mit dem Anfangspunkte der Erzählung, daß nämlich die morgenländischen Schulen zu verfallen begannen, weil ihnen die Zuflüsse aus dem Auslande abgeschnitten wurden. Und so würde unsere Stelle sehr passend der Uebersetzung fähig sein: „Und diese Gelehrten zogen aus, für das Einkommender Schule (zu wirken)." da es bedeutender Hilfsquellen bedurfte, an entfernte Religionsverwandte, und mußten gerade diese großen Rabbinen, um durch ihr Gewicht und . ihre Darstellung der Heiligkeit dieser Angelegenheit einzuwirken, sich zu einer derartigen Reise veranlaßt sehen. . F-