Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 3 (März 1845)
- Date
- 1845-03-01
- Page
- Seite 100 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Historische Bemerkungen ,c. tersuchung, bis sie von den Nnwahrscheinlichkeiten, Anachronismen und Lesearten gereinigt dasteht, welche theils den innern Zusammenhang, theils den Glauben an die Genauigkeit der äußern Darstellung stören. Vieles ist in der neuesten Zeit für diese Stelle geschehen, die so einflußreich auf die Literärgeschichte der Juden in Spanien ist, und man braucht nur die Darstellung der Thatsachen bei Jost zu lesen, um zu erfahren, wie viele Fortschritte innerhalb zweier Dekaden gemacht worden sind. Auch mir war es vergönnt, mein Scherflein zur Berichtigung des Sinnes und der Worte beizutragen, und, ich bekenne es frei, ich glaube einen Beweis gegeben zu haben, daß ich über den Gegenstand ttachgedacht und mir einiges Recht erworben habe, an die Gelehrten dieses Faches die Bitte um Prüfung des Folgenden richten zu dürfen. , Ueber den Reisczweck der Geonim sagt Abraham b. David (41, b.) vn rto Nd»iib ibx Das heißt nach der recipirten Nebersetzung: „Diese Gelehrten zogen aus für die Ausstattung einer Braut (zu sammeln)" .nl-inv-vn wörtlich: Einnahme einer Braut wird bei den Rabbinen in der Gesetzes-, Moral- und Gebetsprache für die auf dem Wege freiwilliger Beiträge oder vereinigter Wohlthaten bewirkte Ausstattung einer Braut gebraucht. Allein trotz dem, daß mir nicht unbekannt ist, wie hoch das Verdienst dessen von den Talmudisten angeschlagen wird, der zU solcher Ausstattung mitwirkt, so wage ich doch zu zweifeln, daß die akademischen Häupter der Hochschule von Bari sich den Gefahren einer langen Seereise, und noch dazu der Gefahr, in feindliche Hände zu fallen, ausgesetzt haben würden, um —-ein Mädchen unter die Haube zu bringen! Wie, vier solche große Rabbinen, wahrscheinlich die größten Gelehrten Bari's und Italiens, müssen bis nach Konstantinopel reisen, um für die Mitgift einer Frau zu betteln? Sollte man in Italien selbst nicht Geld genug für den habsüchtigen Bräutigam, oder einen genügsamern Bräutigam für das ohne Zweifel aus vornehmer Familie stammende Mädchen haben finden können? Und wie kann man den Leuten im Osten zumuthen, daß sie ein Mädchen im Westen ausstatten?*) *) Die scharfsinnige Combination des Herrn Vers. ganz würdigend, bemerken wir nur, daß rfes nbssn sich gerade nicht auf Ausstattung Eines Mädchens beziehet, sondern überhaupt der Ausdruck für Ausstattung mittelloser Mädchen ist. Bei dem trübseligen Zustande Unteritaliens um diese Zeit, wo Griechen, Sarazenen und Deutsche sich um das unglückliche Land stritten und innere Kriege es zersteischten, bedurfte das weibliche Geschlecht mehr denn je eines männliche» Schutzes, und es müßten bei der Strenge des Gesetzes gegen fremde Berührung, welche bei der instt}, wie bekannt, angenommen wurde (vgl. Ketubot f. 36 b), die rfcs ti&jbfi nicht nur als verdienstlich, sondern unter diesen Umständen auch als dringendes Reltgionsgebot angesehen werden. Man wandte sich.