Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 74 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Allgemeine theologische Bibliographie. zenlose Nachlässigkeit und Mattheit des Ausdrucks, die Schwerfälligkeit der Bilder, die Eiseskälte, welche uns aus seinen Worten unheimlich anweht, zeigen deutlich, daß nicht Eifer ihn beseelte, sondern daß gemüth- und geistlose Flachheit und die bekannte Koketterie mit der Aufklärung die Triebfedern seiner Reden waren. N. Die Psalmen, nach dem Urtexte der heiligen Schrift, meist nach kirchlichen Singweisen übersetzt, von M. A. Zille Br. ph.? Nachmittagsprediger an der Universitatskirche zu Leipzig. Leipzig. Verlag Im. Tr. Wöller 1844. XVIII. 209. 8. Die Psalmen, dieses Kleinod der heil. Schrift, in welchen sich die innige Verbindung der Sänger mit Gott, die Durchdrungenheit derselben von Gottesfurcht, Gottvertrauen und Gottesfreude so lebendig spiegeln und unter allen erdenklichen Beziehungen des Lebens sich darstellen, die Psalmen, welche hohen Schwung und tiefe Gemüthlichkeit, Vertrautheit mit der Natur nnd Erhebung über dieselbe zu ihrem Urheber vereinigen, sind ein wahres Buch des Lebens für Jedermann, ganz geeignet, uns bald tröstend, bald ermahnend, bald erhebend durch die Gefahren und Mühseligkeiten, durch die Verlockungen und Versuchungen des Lebens sicher zu leiten; sie sind ein Buch des Lebens für die Anhänger aller Eonfessionen, wenn sie, wie der Herr Verf. vorliegenden Werkes, sich über das Confessionelle zum Standpunkte des allgemein Menschlichen erhebend, ihren unbedingten Werth zu würdigen verstehn. Aus diesem Grunde find auch vorzugsweise die Psalmen bei Juden und Christen in die Liturgie übergegangen, zum Gemeingute geworden, und haben wegen ihres großen und allgemeinen Nutzens sich immer einer vorzüglichen Pflege und Bearbeitung zu erfreuen gehabt. So reich nun auch die biblische Literatur mit mehr oder minder gediegenen Uebersetzungen der Psalmen von kritischem oder künstlerischem Werthe versehen ist, war dem Herrn Verf. doch noch ein großes, sehr anzuerkennendes Verdienst um die Psalmen Vorbehalten. — Die gefällige, künstlerische Form, der einfache, ungekünstelte und innige Ausdruck, sowie die tiefe Auffassung des Originals, welche diese Uebersetzung zieren, können ihren Zweck: Verbreitung des Geschmacks an den Psalmen und deren segensreiche Anwendung für das Leben, nicht verfehlen.- Müssen wir nun auch gestehen, daß oft die Uebersetzung weit hinter dem Originale zurückbleibt, daß nicht selten Flickwörter, gezwungener Reim, zerdehnender Zusatz und Mattigkeit des Ausdrucks mit dem Schwünge, der Natürlichkeit, der Kraft des Originals contrastirt (wir führen nur z. B. Ps. 18,104,114 an, die trotz der trefflichen Stellen doch an den beregten Mängeln leiden); so soll dies weniger zum Tadel des Verf. gesagt sein, der bei den vielen Schwierigkeiten, die seiner Aufgabe entgegen-