Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 73 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 73 selbst hervorheben, die er in kurzer Zeit im Messiasreiche gemacht. Wahrend er vor ungefähr 6 Jahren den Zeremonien eifrig das Wort redete, erklärt er heute zur Beruhigung seiner Gemeinde, daß er nicht etwa die biblischen Gebote für unantastbar, „sondern unsereRichtung noch für zu jung halte und noch nicht vorbereitet genug." Die Berechtigung zur Aufhebung selbst biblischer Gebote gibt ihm der verschollene Talmud in den Worten tawaan hatten rtai roröi. — Die Ursachen dieses Fortschrittes suchen wir in der seit damals erfolgten sichern Anstellung und in fleißiger Lectüre jener Schriften, „die die Weltreligion für sich hat", „die jüdischer Geist durchweht vom Anfänge bis zu Ende" (S. 15.), und deren Sprache er an manchen Stellen, die wir des Raumes halber nicht anführen können, mit sorgfältiger Treue nachahmt. Wenn er vor 6 Jahren die Ceremonien als eine „Montur" bezeichnete, die ihren Trägern als Erkennungszeichen dienen müsse, so meinte er augenscheinlich nur dennoch nicht angestellten Rabbinatscandidaten; der bereits sicher im Amte waltende Rabbiner hingegen kann sich anschicken, „die Hüllen fallen zu lassen", wie Herr H. das Aufheben der Ceremonien (S. 28.) bezeichnet. Der Raum gestattet uns nicht, noch mehrere Stellen als Muster der Kanzelberedsamkeit anzuführen: das Gesagte dürste auch wohl zur Bildung eines richtigen Urtheils genügen. —- Herr H. thut sehr klug daran, „die Hüllen fallen zu lassen"; denn was für „ein trauriges Schicksal erginge über" ihn, wenn er orthodor Ware? Die Spalten aller jüdischen Zeitschriften wären dann zu enge, um nachzuweisen, wie die Orthodorie bornirt sei in Gedanken und Wort, wie wenig sie sich eines höhern Aufschwunges im Ausdrucke befleißige, wie sie Altes und vorlängst Ausgesprochenes reproducire, ohne selbst productiv zu sein, u. Aehnl. Warum man diese strenge Kritik nicht auch auf diese dem Drucke übergebenen Reden des Herrn H. anwenden sollte, ist uns nicht leicht begreiflich, wenn nicht sein ungeheurer Fortschritt ihm als Talisman dienen soll. — Wir hätten wohl mit Recht erwarten dürfen, Herr H. werde seiner Ansicht, die er selbst als eine noch von Wenigen getheilte bezeichnet, durch gründliche Beweise Geltung, oder in Ermangelung der Tiefe, durch die Kraft der Rede Eingang zu verschaffen suchen. Doch von Beidem keine Spur! Welcher Aufrichtige, zn welcher religiösen Partei er auch gehöre, möchte wohl jener bereits angeführten Ansicht über das Wirken der^rwn und über die Ursachen des Untergangs des Tempels auch nur einen Schein von Wahrheit zugestehen? Die — gelinde gesagt — an so Unrechtem Orte angebrachte Apologie der Weltreligionen und die perfide Anerkennung des Talmudausspruchs: wvrt rvftM , um die Bibel anzugreifen —- ist dies nicht das Werk eines jener tmüs des Verf.? Und wenn er noch für seine Ansicht begeistert wäre, so daß wir ihm nur Jrrthum vorzuwerfen hätten! Die gren- Frankel, Zeitschrift H. 6