Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 71 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 71 ten, sollen wir „die Betrachtung anstellen", „daß er uns zu bedenken gibt" (wie schön gesagt!) „ob es nicht ein Zeichen der neuen Blüte unserer Religion ist, daß die Messiaslehre jetzt wieder, so zu sagen, zu Ehren kommt." Denn vor Kurzem verwarfen sie „die Aufgeklärten"; „doch ist sie schon gerichtet, diese Richtung, von Secharja selbst, der bet sagt h -to, es wird kein Handelsmann mehr sein imHause Gottes, ein solcher nämlich, der mit den Lehren seiner Religion Handel treibt." Welche glanzende und der Wahrheit getreue Bibelerklärung! — Die Altgläubigen, meint er nun, „wagten es damals nicht", die Messiaslehre laut zu bekennen. Doch eigentlich meint er dies nicht, sondern sagt es nur aus Artigkeit gegen die zuvor angegriffenen Aufgeklärten. Denn Herr H. weiß nicht minder als wir, daß die „feigen Altgläubigen" in Gebet und öffentlichem Vortrage die baldige Ankunft des Messias zum Gegenstände ihrer Wünsche und Hoffnungen machten. Doch fffaö "wn setzt sich Herr Dr. H. der'Gefahr aus, für einen jener gerichteten zu gelten, deren es keine im Messiasreiche geben soll. — Aus dem eigentlichen Vorträge geht deutlich das Bestreben hervor, weder dem Geiste, noch dem Gemüthe eine Herrschaft einzuräumen, worüber Herr H. ausgezeichnet in seiner Rede vor der Rabbinerversammlung rfriö ’s) gesprochen. Und in der That, welche erhabene Nüchternheit in seinen Worten, von keinem Gedankenblitze unterbrochen, von keiner Gemüthsbewegung gestört! Als Beispiel dieses Gleichgewichts, das Geist und Herz einander halten müssen, führen wir den Anfang der eigentlichen Rede an. Kaum will ihn da der Geist überwältigen, der ihm die bedeutsam tiefen Worte abzwingt: „Vor allen Dingen müssen wir wissen, wovon wir reden" (S. 7.), da flößt das Gemüth ihm den zärtlich liebevollen Ausdruck ein: „unser Secharja sagt"; indem jetzt mitgetheilt wird, was „unser Secharja sagt", was „Jeschaja vor ihm verheißen", was „Joel gesagt hatte", was „Zefanja gesagt hatte" und daß alle übrigen Propheten Aehnliches „sagten." Welche liebliche Variation! — Nun wird erörtert, daß das Messiasreich in der allgemeinen Anerkennung des einzigen Gottes und der hieraus folgenden Ausbreitung des Friedens bestehen werde. Abgesehen von der Neuheit dieses Gedankens, heben wir noch einige Stellen als Muster homiletischen Stiles hervor. S. 8: „Natürlich, wenn Propheten.... das Reich des Herrn ausmalen, werden sie nicht wie Schulknaben einzelne Glaubenssätze aufsagen .." (Wie geistreich und würdevoll!) S. 9. „Menschenfurcht wird dann nicht mehr sein, Menschendienst, Schmeichelei, Kriechen im Staube vor Staubgeborenen, alles das wird dann nicht mehr sein." Kann ein Kind einfacher und gemächlicher sprechen? Giebt es etwas Unschuldigeres als dieses: „alles das wird dann nicht mehr sein"? Wie schön und angenehm ist es, eine der erhabensten Lehren der Religion in einem so nachlässigen Tone abzuhandelll, daß er