Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 64 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Allgemeine theologische Bibliographie. nigsten Glaubensbewußtsein, aber er halt auch um so fester dasjenige, dem Leben inwohnt, er sucht die Beziehungen des Glaubens zu dem Leben um so inniger wieder herzustellen" (S. IX.) Hiermit ist der Standpunkt bezeichnet, den der Vers, einnimmt; er will den Fortschritt innerhalb des Gegebenen, Veredlung der Formen mit Erhebung über Formeln und Werkheiligkeit, der er eben so abgeneigt ist, wie dem Alles entwurzelnden Radicalismus und dem jedes Göttliche und Hehre ertödtenden Jndifferentismus. Dieser Grundgedanke ziehet sich durch alle Predigten, denen man einen tiefen Ernst anstehet, und die offen bekunden, daß der Vers, von einer Ueberzeugung durchdrungen sei. Doch läßt schon diese Tendenz vermuthen, daß man hier mehr Vortrage als Predigten zu erwarten habe, daß mehr die Resterion und das prüfende forschende Abwägen als die religiöse Begeisterung, die von dem Gegenstände ergriffene und überwältigte Innerlichkeit, die Oberhand behalten werde. Wie mißlich aber Vortrage dieser Art seien, die weder mit wissenschaftlicher Schärfe ihr Ziel verfolgen können, noch der Empfindung, dem religiösen Gefühle'zuviel einraumen wollen, und die daher selten über die ihnen zumeist drohenden Klippen und Untiefen unversehrt wegkommen, ist jedem das Meer der Homiletik Befahrenden ziemlich bekannt; und ist auch dem Verf., dem wir mit gebührender Anerkennung Kraft des Ausdrucks, gewandte Dialektik und vielfache Belesenheit zugestehen, hier mancher Unfall zugestoßen. Diese Vorträge lassen meistentheils kalt; sind sie auch ihrer eigentlichen Anlage nach mehr für den Verstand berechnet, so hätten wir doch auch dem Gemüthe mehr Antheil gewünscht.—. Am gelungensten sind die erste Predigt (die Offenbarung), die zweite (der Eid), und die vierte (Ehre Vater und Mutter.) Fünf Predigten (unter denen „der Frieden" hervorzuheben ist), gelten dem Thema des oben bezeichnten Fortschrittes, und wird derVerfaffer allenthalben von seinem Lieblingsgedanken beherrscht. Ob aber für Landgemeinden nicht manches noch Näherliegende zu besprechen war, ob überhaupt die Kgnzel der Ort sei, von welchem solche Theorien so vielfach behandelt werden sollen, ob der Redner statt zu belehren und zu beschwichtigen, hier nicht gerade im Gegentheile erst Zweifel geweckt und Unruhe in vielen seiner Zuhörer angeregt, ob diese unbestimmten Bezeichnungen, „daß wir festhalten an den in der heiligen Schrift und in der echten Ueberlieferung der Väter offenbarten göttlichen Lehren, dagegen aber eben so fest zurückweisen, was der Verstand der Menschen bald hinzusetzt, bald davon nimmt, was der Aberglaube finsterer Jahrhunderte als ein trauriges Erbtheil, zu dessen Besitz-Ergreifung wir uns verpflichtet halten, uns hinterlassen hat, ff." (S. 88.) Klarheit in den Hörern hervorbringen und sie wissen werden, was sie als „echte Ueberlieferung" zu bewahren, und was sie als das „traurige Erbtheil" fahren lassen sollen, dürste mit vielem Rechte gefragt werden. Der Redner