Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 62 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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62 Bericht Mer Synagoge und Schule. ewig." — Wir haben nichts gegen die Bravheit, die Aufrichtigkeit, den edlen Ernst der täglichen Shnagögen-Besucher; aber sie gehören dem „gehenden Geschlechte" an, und für das kommende haben wir zu arbeiten, soll die Welt bestehen. Es wird eine Zeit kommen, wo das jetzt kommende Geschlecht das gegenwärtige sein wird; was werdet Ihr ihm antworten , wenn es Euch sagt: „das Vermächtnis, das Ihr uns hinterlässeN, es bedeutet uns Nichts, es genügt uns nicht, es sägt uns nicht zu, es stößt uns ab;" —^ oder rwch ärger, wenn es Euch gar nicht um das VerMachtniß fragt, weil man es langst in die Rumpelkammer unter alte Scharteken geworfen, weil Man ihm längst den Rücken gekehrt hat. Aber, wird man uns sägen , es eristirt doch in unserer Gemeinde ein jüdisches Gotteshaus, das gewiß auch den hochgespanntesten Anforderungen der Zeit entspricht; wir haben ja den neuen Tempel und die Anfangs erwähnte israelitische Freischule, die viel Gutes leistet! — Wir könnten auf diese Einrede einfach erwidern, daß der neue Tempel kein Gemeindeinstitut, keine von dem Vorstande der Gemeinde ausgehende und von ihm beaufsichtigte , sondern lediglich eine Priväta nst al t ist, wie die anderen fWüft und wir erlauben uns jedoch, noch Folgendes hinzuzufügen. Wenn wir es gewagt haben, hier im Interesse eines großen, ja des größten Theils unserer Gemeinde das Wort zu führen, so hatten wir eben den Theil vor Augen, dem das alte Judenthum, das ihnen von den Vätern überlieferte Judenthum vollgültige Bedeutung hat, das Jahrhunderte durch über den Zeiten stand, sie mit seiner Weihe durchdringend, seine Entwickelung von innen heraus anstrebend, das Judenthum, das sich von jeher den Bemühungen widersetzte, die es nach außer ihm stehenden Begriffen Uniformen wollten, die ihm nicht nur das staubbedeckte, alte, unpassende Kleid, das auch wir gerne gegen ein schöneres, besseres und unseren heutigen Begriffen zusagenderes vertauschen möchten, sondern auch das nehmen wollten, was von jeher als zu seinem inneren Wesen Gehörendes betrachtet wurde. Inwiefern der neue Tempel dieser Richtung gegenüber steht, oder sich ihr nähert, überlassen wir gelehrteren Männern zu entwickeln, gewandteren Federn auseinanderzusetzen. Es liegt auch weder in der Absicht, Noch in dem Zwecke dieser Zeilen, nur irgend eine religiöse Polemik zu berühren. So viel nur gehört hierher, daß der Tempel sowohl, wie die Gründer, 'Erhalter und Besucher desselben nicht der Richtung folgen/ der der größte Theil unserer Gemeinde mit mehr oder minderer Konsequenz, mit größerem oder geringerem Ernste nachlebt. Als unumstößlicher Beleg dazu dient uns die Thatsache, daß der Tempel bei der glänzendsten Ausstattung, bei so vielem Gülten und Schönen, das auch die, die sich im Allgemeinen nicht mit seinen Tendenzen befreunden können, an ihm loben müssen, bei den so drückenden Mängeln der Synagogen, in den 25 Jahren seines Bestehens Nicht Gemeinde-