Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 60 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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«0 Bericht über Synagoge und Schule. Heil und Glück und Versöhnung verkündenden Laute seines Gottes / die gemächliche Sprache seiner Väter wieder. Draußen Druck, der den Nacken chm beugte, hier Freiheit, die den Blick ihn zum himmlischen Vater erheben ließ) draußen Alles düster , hier Lichterglanz, hier Festlichkeit. Den erhebenden Eindruck, den jede große Versammlung auf uns macht, das angenehme Gefühl, thätiges, wirkendes Mitglied dieser Versammlung zu sein, er konnte es nirgends als in der Synagoge empfinden. Theater besuchte er nicht, die beruhigenden, erfreuenden Töne der Musik kannte er nicht. Hier aber, in der Synagoge, aus dem Munde frommer, begeisterter Vorbeter tönten ihm sonst unbekannte Melodieen entgegen, sie rissen ihn mit fort, er erwärmte und ergötzte sich an ihnen. Aber Jene, mit ihrem frommen Herzen, ihrem reinen, kindlichen, ungeheuchelten Sinne sind heimgegangen. Ein neues Geschlecht ist aufgestanden, das Alles besser verstehen will als die Alten, das mit offenen Augen sich umblickt, das weit über das Dach der Synagoge hinaus, weit über den Sternen, weit über dem blauen Himmel, der für ihn keiner mehr ist, — den Herrn der Herren thronen läßt. Aber auch die Zeit ist heimgegangen, die alte düstre Zeit mit ihren Schrecken, mit ihrem Schimpf und Hohn für Israel. Freien Hauptes wandelt das junge Israel am offenen Märkte, es hat sich hineingedrängt in das Leben, in das Treiben der Völker; es ver- «steht ihre Sprache, redet mit in ihren Versammlungen, hört ihre Sänger, singt ihre Lieder. Da ist draußen hell und freundlich Alles, und die Synagoge ist düster mit ihrem alten Lichterglanz, da ist draußen Alles schön und feierlich, drinnen in der Synagoge wild und geschmacklos; da will man draußen Alles verstehen und begreifen, will der Natur ihr geheimstes Wirken ablauschen, und drinnen in der Synagoge ist Alles unverständlich und dunkel. Aber warum ist's unverständlich und dunkel, warum versteht der Jude, der hiesige Jude, nicht die Sprache, in der das Amulet geschrieben, das ihn über dem Strome der Zeiten, über der Fluth des Völkerlebens gehalten, das Amulet, das die treuen Väter ihm aus Feuer und Noch, aus Sklaverei und Verfolgung gerettet, warum versteht er nicht das gemächliche Wort seiner Gebete? — Weil Ihr keine Schulen, keine Lehrer habt, die es unseren Knaben lehren. Warum sieht n keinen Zusammenhang, ja warum sieht er Zwiespalt zwischen Synagoge und Leben, zwischen dem Worte, das er an heiliger Stätte ausgesprochen, und den Handlungen, die er im Hause übt? Weil ihm das Wort des Herrn nicht erklärt wird, nicht auf leicht faßliche Weise gelehrt wird an jenem heiligen Ortes weil da nicht gepredigt wird zu den Gemüthern der Jugend, zu dem Verstände der Männer, weil da nicht angeregt wird das Gefühl für das, was er üben soll im Leben, weil da nicht