Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 58 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Betrachtungen über die gegenwärtigen Wirren im Zndenthume. hervorzmufen. Nicht wie früher bloß vom philosophischen, sondern vom innern religiösen Standpunkte aus sollte jetzt dieReform ausgehen, oder mit andern Worten: „die Religion sollte durch die Religion reformirt werden;" man mußte sonach abwarten, bis man auf diesem Felde zur vollen Klarheit gedeihen und ein richtiges Prinzip, einen bestimmten Ausgangspunkt ermitteln werde. — Die Doktrin hat sich selbst zu verständigen, ehe sie zur That, zur Ausführung schreitet, wenn sie nicht immerwährenden Schwankungen, blindem Umhertappen sich aussetzen will, und nicht am Ende dieselben Erscheinungen, die wir bei den früheren Reformversuchen sahen, sich erneuern sollen. Es sind nun zwar in den letzten Jahren allerlei wissenschaftliche Versuche gemacht worden, um jenes Reform-Problem auch vom religiösen Gesichtspunkte aus zu lösen. Diese Versuche waren aber theils von ihren Urhebern noch nicht klar und vollständig genug ausgesprochen worden, theils blieben sie wiederum nur im theoretische» Gebiete stehen, theils aber auch traten sie so ercentrisch auf, daß sie gleich den Stempel der Nichtigkeit und Unausführbarkeit an sich trugen. Nicht Er trem e sollen herrschen und werden sich je wirklich Bahn brechen. Schon ein alter Spruch lehrt: tsi: wi iwn „Ihre Wege (nämlich der Religion) sind Wege der Freundlichkeit;" darum auf freundliche, gefällige Weise und eben so wenig, wie mit Verketzerung, so auch nicht mitZurückstoßung und Abwerfung des Heiliggehaltenen dürfen die Vertreter der Religion auftreten, wenn sie Gehör finden wollen, und es ihnen ernstlich darum zu thun ist, „ die Krone (der Religion) wieder mit ihrem alten Glanze zu schmücken!" _ Die Zeit drängt aber auch wieder, wie nicht zu verkennen ist. Die vielen Weltmänner in Israel, die jetzt auf höherer wissenschaftlicher Stufe als früher stehen, und sich nun einmal nach ihrem Erziehungs¬ und Bildungsgänge und bei den in Deutschland gegen die Juden bestehenden Vorurtheilen mit vielen jüdischen Ritualgeboten nicht befreunden können, wollen nicht länger für gedankenlose Nebertreter gelten; ein ausgesprochenes System soll ihre Handlungsweise regeln. Die Theologen schwiegen oder sprachen nicht deutlich genug. Da hieß es nicke toi et Vien t'nickera, und so gewann der „Frankfurter Reformverein" sein Dasein. - Diese Manifestirung, die im Grunde an sich nichts Neues war, und nur durch ihre öffentliche Erscheinung und dadurch, daß man sie mit der Nichtpollziehung eines der wesentlichsten Gebote der israelitischen Religion in Verbindung brachte, Aufsehen erregte, mußte das Bedürfnis! zu gemeinsamer Verständigung noch stärker erwecken. Von vielen Seiten that sich aber der Wunsch kund, die jetzt wissenschaftlich herangereiften Theologen