Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 56 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Betrachtungen über die gegenwärtigen Wirren im Iudenthnme. unentbehrlich, rrn* 5-*b tos „Machet einen Zaun um die Lehre," hinterließen daher schon die Männer der sogenannten Synagoga magna ihren Nachfolgern als Grundsatz. Diese auf Befestigung und Umzäunung des alten Baues gerichtete Wirksamkeit führte in ihrem Gefolge natürlich einen verstärkten Partikularismus, theils an sich, weil Jsolirung als sicherster Harnisch und Schild zur Bewahrung der Religion galt, theils unbewußt, als Ausfluß der mit der speziellen Aufführung des neuen Befestigungswerks bis zur geringfügigsten Einzelnheit sich abmühenden, von aller äußeren Einwirkung abgezogenen frommen Thätigkeit. In der Praxis mußte sich bei dieser Gesinnungsrichtung eine, zu jener oben geschilderten milderen Auffassung im Gegensätze befindliche strengere Handhabung aller Ritualgebote und möglichste Vervielfältigung derselben nothwendig ausbilden, zumal, da man von dieser Seite aus die Häufung schützender Satzungen als höchste Gewähr der Religion betrachtete, und weder der wissenschaftlichen Forschung, noch der Rücksicht auf veränderte Zeit- und Weltverhältnisse eine Lucke in dem Bauwerke gönnen mochte, oder höchstens hie und da nur mit Widerwillen gönnte. Diese beiden divergirenden Richtungen waren gleichsam der Doppelhebel zur Fortbewegung des sogenannten Rabbinismüs in den zwei Jahrtausenden seines Bestehens. Trotz ihres inneren Gegensatzes, kam es doch bei keiner zur gänzlichen Negirung der andern Richtung. Beide Strömungen flössen vielmehr an vielen Stelleil in einander und durchdrungen sich; nur zeigte sich, bei genauerer Prüfung, nach Zeit und Umständen größeres oder geringeres Vorwalten des einen oder des andern Bestandtheils, des Universalismus oder des Partikularismus und ihrer Conseqnenzen. Und wohl fühlend, daß beide Grundstoffe im Judenthume, wie es sich einmal gestaltet hatte, eng vertvachsen seien, drückte man es in den Worten aus: ■i-o-i isxi D-nn „Beider Lehrsätze (der erschwerenden und der erleichternden Schule) sind Ausflüsse des lebendigen Gottes!" In den letzten Jahrhunderten des Drucks rmd der äußeren Erniedrigung des Judenthums hatte nun jene zweite, alle Zeitbildung und Wissenschaftlichkeit von sich abwerfende Richtung, des RabbiniSmus vorzugsweise sich bemächtigt; vor Allem mußte daher jetzt ins richtige Geleis eingelenkt und das Gleichgewicht mit der andern freieren Richtung wieder hergestellt werden. Gründliche wissenschaftliche Vorbildung der Rabbinen, um sie nur auf die Höhe ihres eigenen Standpunkts zu erheben und wieder zur stimmberechtigten Partei zu machen, war hierzu das erste Erforderniß. — Der wissenschaftliche Funke, der sonach bei den Rabbinen oder Talmudisten fast ganz erloschen war, höchstens bei einem Jakob Emden, Saul Hirsche! (der obendrein als Herausgeber und