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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-02-01 · 2 (Februar 1845) · p. Seite 54

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
2 (Februar 1845)
Date
1845-02-01
Page
Seite 54 (sequence 16)
Language
German
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54 Betrachtungen über die gegenwärtigen Wirren im Judenthume. ■< Stillstände, gleichsam in unwissenschaftlicher, patriarchalischer Unschuld begriffen war, selbst bei dem besten und redlichsten Willen „nichts Wesentliches im Judenthume antasten zu wollen," nicht mit der einige Decennien spater möglich erscheinenden Offenheit aussprechen, ohne den größten Mißverständnissen ausgesetzt zu werden. So unterblieben denn weitere Neuerungsversuche und klagte man, daß nichts geschehe zur Abwendung des um sich greifenden religiösen Verfalls, so ward Alles auf die alte Partei geschoben, welche, wenn auch nicht immer durch Uebelwollen, doch, wie auch wenig bestritten, aus Unkenntniß jeden Fortschritt lähme.*) Die Männer, denen die Regeneration des Judenthums aufrichtig am Herzen lag, in dessen Verwirklichung nicht bloß die Ausgleichung einiger praktischen Uebelstände, sondern die Lösung eines der wichtigsten Probleme der Weltgeschichte erblickend, wendeten sich nun nach einer andern Seite hin, um jenem erhabenen Ziele näher zu rücken. Aus der Finsterniß sollte Licht kommen! Von Denjenigen, die man zeither bloß als Hemmketten am Räderwerke der Zeit zu betrachten sich gewöhnt hatte, sollte nunmehr selbst das Signal zum Vorwärtsschreiteu gegeben werden; in den Ra bbinen und ihren Jüngern sollte das Bewußtsein einer höhern Stellung des Judenthums, und sonach das Bedürfniß zu Reformen, erweckt werden. Wenn eine bestimmte Idee den Menschengeist erfaßt hat, und durch das Medium von Wort und That sich nach und nach Einfluß auf Sitte und Leben zu verschaffen weiß, so wird es selten ausbleiben, daß nicht, nach den verschiedenen Individualitäten der Menschen, nach dem eigenthümlichen Gepräge der Zeiten, auch die Auffassung von einander abweicht. — Dieß galt um so mehr vom Rabbinismus, dessen Uraufgabe, Erhaltung des Judenthums, der Gestalt der Zeit nach worin er zuerst hervortrat, auf gedoppelte Weise gelöst werden mußte: „durch Sublimirung der alten pentateuchischen Gebote und durch Jsolirung seiner Anhänger von allem Fremdartigen." Universalismus und Partikulariömus, diese beiden Gegensätze, waren daher seinem Wesen nothwendig eingeimpft, sie verschwisterten sich in ihm und spiegelten sich sodann in dessen Lehren und Vorschriften abwechselnd in *) &ie Bestrebungen zu Berlin und nachher zu Hamburg, den Cultus zu verbessern, zahlen wir hier nicht auf, da sie erstlich nur von Privaten, nicht von autorisirten Religionsbehörden ausgingen, mithin nicht zur Kategorie der oben besprochenen „angeordneten Reformen" gehören; andererseits war das Gebiet der Liturgie im Judenthume von jeher ein freieres Feld, auf welchem sich zu gleicher Zeit und an gleichem Orte viele Abweichungen gestalteten.

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