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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-02-01 · 2 (Februar 1845) · p. Seite 52

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
2 (Februar 1845)
Date
1845-02-01
Page
Seite 52 (sequence 14)
Language
German
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52 Betrachtungen über die gegenwärtigen Wirren im Judenthume. die sogenannten „Aufgeklärten," die eine völlige Umbildung des Judenthums, mindestens inseinen praktischen Beziehungen, in Aussicht hatten, erwarteten von der Wiederbelebung einer seit dem Untergange des jüdischen Staats verschollenen Institution, von der Wiedereinsetzung einer so hochgestellten Religionöbehörde, die Abschaffung oder zeitgemäße Reformirung eines bedeutenden Theils der jüdischen Ceremonialgesetze; Andere glaubten, daß das Pariser Concil sich wenigstens die Revision mancher mit dem Wesen des Judenthums in keinem so innigen Zusammenhänge stehender, mit der wiedergewönnenen bürgerlichen Selbstständigkeit und höheren Wissenschaftlichkeit der heutigen Juden aber nicht mehr ganz vereinbarlicher Gebräuche und Einrichtungen zur Aufgabe stellen, und auf diese Weise, wie ein Phönir aus seiner Asche, so das alte ehrwürdige.Judenthum aus den Beschlüssen des neuen Synedriums neuverjüngt hervorgehen werde. — Beides erfolgte nicht und konnte auch, wie wir weiter sehen werden, damals nicht erfolgen, selbst wenn die Kriegsereignisse (die anfänglich nicht ganz glückliche Wendung der ersten Campagne Napoleons in Polen) die Schließung der Synedrialsitzungen nicht beeilt hätte, oder wenn die dem Sanhedrin vorgelegenen Gegenstände dem innern Kerne des Judenthums näher gewesen wären, und nicht bloß Verhältnisse betrafen, die entweder der That nach gar nicht mehr bestanden (wie Poligamie), oder die von den Rabbinen stets anerkannte Oberhoheitlichkeit des Staats garantiren, oder endlich den Verkehr zwischeil Juden und Nichtjuden reguliren sollten., In Deutschland, wo die geistige Reibung sichtbarer hervortrat und man den Resultaten des neuen religiösen und politischen Umschwungs ungeduldiger entgegen sah, machte man zuerst den Versuch, die Reformideen durch Anordnungen authentisch ins Leben einzuführen. Es war der demJudenthume warm ergebene, hochherzige Israel Jakobsohn, welcher, an die Spitze des neuerrichteten israelitischen Consistoriums in Westphalen gestellt, veranlaßte, daß von Seiten dieser neuert Religionsbehörde nicht nur mehrere verbesserke liturgische Einrichtungen festgesetzt wurden, sondern auch an den herkömmlich strengbeobachteten Genußverboten für das Pessachfest die Hand gelegt, und namentlich das zwar nicht talmudisch-begründete, 'doch aber seit mehreren Jahrhunderten bei den Juden im nördlichen und östlichen Europa übliche und von den betreffenden rabbinischen Autoritäten des 16ten Jahrhunderts „als eingeführter Gebrauch, den man nicht ändern solle," gewissermaßen sanktionirte Verbot „am gedachten Feste Reis und Hülsenfrüchte zu geniesten," aufgehoben ward.— Man hätte glauben sollen, daß diese durch ihre Mäßigung und praktische Nützlichkeit sich so sehr empfehlende Neuerung nicht nur keinen Anstoß finden, sondern vielmehr mit allgemeiner Accla-

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