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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-02-01 · 2 (Februar 1845) · p. Seite 51

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
2 (Februar 1845)
Date
1845-02-01
Page
Seite 51 (sequence 13)
Language
German
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Betrachtungen über die gegenwärtigen Wirren im Judenthume. 51 der vermehrte Umgang mit den Gliedern anderer Confessionen und die herrschend gewordene Ansicht,, daß Verrichtung oder Unterlassung dieses oder jenes Gebrauchs, Genuß dieser oder jener Speise u. s. w. zur größeren oder geringeren Vervollkommnung oder Leligwerdung des Menschen nichts beitragen könne, bewirkten es leicht und nicht in gar langem Zeiträume, daß die Beobachtung der sogenannten „Ceremonialgesetze" bei einem großen Theile der Israeliten Deutschlands nicht mehr mit der früheren Strenge gehandhabt wurde, und bei einer nicht unbedeutenden Anzahl derselben sogar ganz außer Brauch kam. Die Prämisse, welche indessen von den Urhebern dieser neu in Umlauf gebrachten Lehre als Erforderniß zu deren Ausübung vorausgesetzt worden war: „innige Verehrung des höchsten Wesens, hohe Sittlichkeit in Wort und That, strenge Redlichkeit gegen eigene und andere Glaubensgenossen," ward jedoch leider bei Vielen, die der neuen Praxis hauptsächlich aus Genußsucht und Bequemlichkeitsliebe huldigten, nicht indem Grade beachtet', um bei wahrhaft aufgeklärten und besonnen in die Zukunft schauenden Männern Theilnahme zu erregen. Schon A. Wolfsohn, obgleich der neueren Ansicht zugethan, beklagt in seinem „Jeschurun" (Breslau 1804) die Verirrung Derjenigen, welche das Ceremonialgesetz vernachlässigen, ohne zugleich bessere Menschen zu werden. — Nichtsdestoweniger stellte sich die zunehmende Abweichung von der früheren jüdischen Lebensweise nicht, wie ehemals, als Aufhebung des Judenthums oder gar als Lossagung von demselben dar, sondern suchte sich mehr und mehr als reinere und verbesserte Auffassung des Judenthums selbst anzupreisen. — Die Macht der alten Rabbinen war gebrochen, sie waren m o r a l i sch (d. h. aus Mangel an wissenschaftlicher Fortbildung) und politisch (da ihnen der Bannstrahl entrissen war) unfähig, dem einreißenden Nebel zu begegnen; andererseits hatte der allgemeine Jdeenumschwung und die veränderte Gesetzgebung der Staaten einen so mächtigen Einfluß, selbst auf die Anhänger des alten Gesetzes, geübt, daß sie — wenigstens die Einsichtsvolleren unter ihnen — Manches in der bisherigen Observanz als lästig und ungeeignet anerkannten, aber vergeblich nach einem Auswege sich umsahen, wie, ohne die Grundsäulen der Lehre anzutasten, für die Praxis Erleichterungen zu gewähren seien. — Da berief Napoleon eine Versammlung jüdischer Deputirten, um über manche Lehrsätze des' Judenthums Aufschluß zu erhalten. Diese Versammlung konstituirte sich, nach Beantwortung der von den Kaiser!. Commissarien vorgelegten Fragen, zu einem „großen Sanhedrin," um den ausgesprochenen Entscheidungen größere religiöse Autorität zu verleihen. Aller Augen waren jetzt auf diese neue Erscheinung gerichtet;

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