Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 2 (Februar 1845)
- Date
- 1845-02-01
- Page
- Seite 49 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Messiaskdee ic. 49 wie taub und blind nicht erkennt, welch eine Strahlenkrone über ihrem Haupte schwebt, welch ein Ehrenposten ihr anoertraut ist. Noch immer hallt die klagende Stimme Jesaiah's: Ihr Tauben hört, und ihr Blinden öffnet die Augen! Wer ist denn so blind, wie mein Knecht; wer so taub, wie der Bote, den ich sende? ... Noch ist die Messiasidee nicht zum vollen Bewußtsein durchgedrungen; noch hangt an ihr die Schlacke des Heidenthumeö. Steinheim, Dr. Setrachtungen über die gegenwärtigen Wirren im Judenthume. *) Erster Artikel. (Entstehung der Wirren. — Versuche zur Abhülfe. — Krisis der Gegenwart.) Ueber sechzig Iahte sind verflossen, seitdem einzelne bemerkcnswerthe Thatsachen, wie Mendelssohn's Uebersetzung des Pentateuchs, die Herausgabe der wissenschaftlichen hebräischen Monatsschrift „der Sammler" u. s. w. kundgaben, daß die lange Stagnation, worin die europäische Judenheit versunken war, zu weichen beginne. --- Um diese wohlthatige Erscheinung naher zu erklären, müssen wir einen Schritt in das vorige Jahrhundert zurückgehen.' — Das Zeitalter der Enzyklopädisten, Voltaire's und Friedrichs II. war es, welches die Grundelemente jedes Autoritätsglaubens vernichtet wissen wollte; da man nun das Wesen der bestehenden Religionsformen mit jenen Voraussetzungen der Weltweisen gänzlich unvereinbar hielt, so sagte man sich entweder (mindestens innerlich) von jeder Anerkennung der positiven Religion los, oder entzog sich, theils mit, theils ohne bestimmtes Bewußtsein, allem und jedem Forschen, um nicht „ in den Abgrund des Verderbens geschleudert und aller Hoffnung auf ewige Seligkeit beraubt" zu werden." — Schon I. I. Rousseau, mehr aber noch die sich heranbildenden philosophirenden Theologen in Deutschland hatten sich bemühet, den grellen Widerspruch zwischen Philosophie und Glauben auf mehr oder minder geschickte Weise zu beschwichtigen, als die kritische Philosophie Kant's hervortrat, welche, wenn zwar einerseits die Negationen offener und deutlicher zur Anschauung bringend, doch wieder durch Hin- *) Dieser Aufsatz ist ganz unabhängig von dem Aufsätze: „Die Symptome der Zeit" im vor. Hefte. D. Red.