Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Recenstonen. 35 henden Unterlage weiter zu bauen (S. 101 u. a.). — Ueber Epispasmus haben wir insbesondere zu bemerken, daß die talmudische Benennung dafür (-pfc) den Begriff der dabei stattfindenden Procedur involvkrt, und von Raschi eine solche auf unblutigem Wege, Sanhedrin 44g, angegeben ist, daß es dahin gestellt bleiben mag, ob die Juden den Epispasmus Vornahmen, um Gelderpressung oder höherer Besteuerung zu entgehen; ferner, daß von einem direkten Einschreiten des Bar Kochba gegeben Epispasmus der Talmud durchaus nicht spricht; es wird blos erwähnt, daß wahrend seiner Siege viele Juden, die bis dahin wegen Interdikt unbeschnitten geblieben, nunmehr die Beschneidung an sich Haben vornebmen lassen.(Jebam. 72s, Ber. rabb. K. 46) (übrigens ist auch bei statt gehabter Per ia die Posthioplastik nicht unmöglich); und endlich daß wir keinen König (!) Achan als Epispasten kennen. Der Talmud, Sanhedr. a. a. O., meint nämlich den armen Sünder Achan, der wegen verheimlichter Beute von Josua zum Tode verurtheilt worden (Jos. K. 7). Der §. 4, welcher von den talmudischen Bestimmungen handelt, bietet, außerdem daß der Gegenstand nicht erschöpft ist und z. B. von den beschneidenden Personen, von der zu den Zeiten des Talmuds üblich gewesenen Nachbehandlung nichts vorkommt, noch viele Lücken dar. Die Quellen bleiben wenig benützt, und Maimonides, der nur den Talmud ercerpirte, wird als selbstständige Autorität zu Grunde gelegt, was bei einer Geschichte der Beschneidung wohl zu sondern gewesen wäre. — Wir können dem Verfasser nicht zugeben, es sei erst im 5. Jahrhundert der g. Z. die Aussaugung der Wunde als ein neuer Akt in der Beschneidungsoperation hinzugekommen (S. 38). R. Papa (gestorb. um 372) giebt (Sabb. 133 a) die Unterlassung der Aussaugung als für das Kind gefährlich an. Das Aussaugen (Meziza) war also bereits früher bekannt; denn R. Papa sagt nicht, mau sauge das Blut aus der Beschneidungswunde, sondern man schaffe einen Beschneider ab, der die Aussaugung unterläßt. Die Meziza dürfte daher nicht allgemein beobachtet worden sein und wurde nie der Peria gleichgehalten. — Wenn der Verfasser im Widerspruche zu dem, was er S. 96 sagt, berichtet, -Maimonides habe unter Röthe der Haut bei Beschneidlingen, die Rose (Erysipelas) verstanden und die Bluterkrankheit nicht gekannt (S. 36 ff.), so ist dieß dahin zu berichtigen, daß im Talmud (Sabb. 1376 und Cholin 47b), als der Quelle Maimunis hierfür, unter einer zu rothen Haut nicht die Rose verstanden sein kann, weil davon die Analogie für die dunkelrothe, d. h. von Blut überfüllte Lunge hergenommen wird; es ist daher unter der rothen Haut eine vollblütige (plethorische) zu verstehen, bei welcher eine durch die BesWeidung leicht herbeizuführende gefährliche Nachblutung zu befürchten ist; die Hämatophile oder Bluterkrankheit dürfte sonach schon dem Rabbi Nathan dem Babylonier bekannt gewesen sein (Cholin a. a. O-). 3*