Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Recenfionen. 31 schaftliche Skrutation über diese Ln dogmatischer wie in gesundheitlicher Beziehung höchst wichtige Satzung für überflüssig. Die Folge war, daß die Ausübung der Beschneidung allmalig in argen, unverantwortlichen Verfall gerieth. Leute, die jedem anatomischen, physiologischen, chirurgischen und therapeutischen Wissen fern standen, vindickrten sich die Ausübung dieser Operation, die an und für sich nicht unwichtig ist, an einem Kinde vom zartesten Alter, an einem höchst empfindlichen Organe, dem Organe der Propagation verrichtet wird, und die gerade mit Sachkenntniß, Umsicht, manueller Fertigkeit und Pracision ausgeübt werden muß, um sie gefahrlos zu machen und üble Folgen zu verhüten. Wie manch Kindesleben ging hierdurch verloren, und wie oft waren Verstümmelung und Siechthum die traurigen Folgen dieser Verwahrlosung! Zwei Ursachen bewirkten jedoch in der neuesten Zeit, daß die begabten Männer des Judenthums, in Beziehung auf die Beschneidung nach ihren beiden Hauptsachen, der dogmatischen und operativen, aus dem bisherigen lethargischen Schlummer erwachten. Einerseits fingen die Aerzte an, die Beschneidung — wie sie es schon vor 1600 Jahren gethan — zu verrichten, andererseits war es das Hervortreten des Frankfurter Reformvereins, welcher an einer Institution zu rütteln begann, die man bisher für unantastbar und zu ehrfurchtgebietend hielt, als daß es den Gottesgelehrten hatte einfallen sollen, noch nöthig zu haben, aus dem theologischen Vorrathe Beweise für die Göttlichkeit des Veschneidungsgebotes und für die Unerlaßlichkeit ihrer Beibehaltung für denjenigen, der nicht förmlich aus dem Kreise des Judenthums treten will, hervorsuchen zu müssen. — Aber so wie die Neuzeit lehrte, daß manche Kalamitäten, welche die vielen schwarzen (und rothen) Flecken in der Geschichte der Juden bilden, und die man bereits für nichts weiter als bloße geschichtliche, längst entschwundene Facta hielt, die man im Nebel vergangener Zeiten erblickte, und nun, wo man sich am Tagsgestirn der bessern Zeit sonnte, ihr Wiedererscheinen, und zwar ihr Wiedererscheinen aus den gleichen Motiven und Imputationen für unmöglich hielt, doch wieder kn ihrer Erbärmlichkeit dem Orkus entsteigen und an's Tageslicht treten können, — so lehrte sie auch wieder die alte Wahrheit, daß nichts unter der Sonne vor Anfechtungen sicher ist, und eine Zeit kommen kann, wo es als nicht überflüssig sich herausstellt, zur höhern Abwehr eines unvorhergesehenen Angriffs, im Arsenale der Doctrinen stets gute Waffen bei der Hand zu haben. — Aber wie jede Reaction die Action belebt, jedes Hemmniß eine Kraftanstrengung hervorruft, und jede Widerstrebung neue Strebungen, eine sichere, feste und haltbare Basis zu gewinnen.