Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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TagesLegebenheiLen. 25 wie es mit dem Reliquiendienste in der katholischen Kirche zu halten sei! Soll man mehr über die Anmaßung, oder das Lächerliche, oder das Unbesonnene dieses Schrittes staunen? Es kann eigentlich jede Confession nur den Fort- oder Rückschritt in ihrer Kirche genau beurtheilen, und hielt man von mehreren Seiten für passend, daß die Adressen an Ronge von Katholiken nurausgehen sollen. Nun sprechen sich noch Juden darüber aus, und lassen ihre Stimme in einer christlichen Religionsstreitigkeit hören! Galt es vielleicht auch hier dem Heiligenschein der Bildung? Aber noch stärkere Rüge verdient die Unbesonnenheit. Es fühlen fich viele'Katholiken durch die Schritte in der Ronge'schen Sache beleidigt; wenn sich nun Juden in diese Angelegenheiten mischen, auf wen wird mit Recht ihr Zorn mehr fallen, als auf sie? Und es leben so viele Juden in katholischen Ländern, und die Synagoge ist doch allenthalben die Schwache! Der König von Vaiern hat für die Protestanten in der Armee die Kniebeugung aufgehoben; wie fiehet es für Juden aus? Wir vernehmen so wenig aus Baiern, wissen nicht, welche Schritte die dortigen Juden hinsichtlich der Kniebeugung gethan; sollten sie ganz geschwiegen haben? Es gilt hier Höheres als Streitigkeiten mit Rabbinen oder gegen den Messias tapfer loszuziehen. Alte und Neue, Archäologen und Neologen müßten bei einem Vorfälle, wie der Kniebeugung, fich vereinen, Schritte thun, im Namen des Glaubens prvtefliren; es liegen ihnen genug Beispiele vor, wie weit ein solcher Protest gehen muß. Hier gilt es nicht Altem und Neuem, sondern was nach dem Glauben für höchst wesentlich gehalten wird; die Rabbinen müssen hier vor Allem in die Schranken treten: das Andere kann verschoben werden. Gericht über Synagoge und Schule. Hamburg. Jeder, der sich nur eine kurze Zeit in unserer großen und reichen Gemeinde aufgehalten hat, muß mit Freuden die außerordentlichen Anstalten wahrnehmen, die in ihrer Mitte zum Wohle der Armen und Leidenden blühen. Man darf den Wohlthätigkeitssinn unserer reichen und bemittelten Brüder wahrhaft erfinderisch nennen, mit solcher Sorgfalt hat er für jedes Bedürfniß entsprechende Mittel zur Befriedigung angeordnet. Diese Umsicht hat auch verhütet, daß gänzliche Verarmung und die mit ihr nur zu oft Hand in Hand gehende Demoralisation Gottlob nicht um sich greifen konnte. Der Arme, der ohne die reiche Unterstützung von allen