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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-01-01 · 1 (Januar 1845) · p. Seite 24

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
1 (Januar 1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Tagesbegebenheitc». Tagesbegebenheiten. Rußland hat die durch die Berufung des vr. Lilienthal,des Direktors Stern und mehrererRabbinen nach Petersburg erregtenErwartungen in hohem Grade gerechtfertigt, und zeigt der Mas vom 3. November von wirklich großartiger Gesinnung, und wie es der Regierung mit der Bildung der Juden Ernst sei. Es sollen Schulen dreierlei Art errichtet werden. Elementarschulen, Haupt¬ oder Bürgerschulen und endlich jene, welche auf der Höhe der Gymnasien stehen, und vorzüglich für die sich dem Rabbinerstande widmenden Jünglinge bestimmt sind. Die Kosten für die Errichtung dieser Schulen bestreitet die Regierung; es werden ferner die allgemeinen Immunitäten der Schüler und Lehrer auch auf diese Anstalten ausgestreckt, und sind auch die sich auszeichnenden Schüler von der Militärpflicht befreit. Und doch können wir den Zweifel an einem glänzenden Erfolge dieser Bemühungen der Regierung nicht unterdrücken. Der unstreitig in der besten Absicht erlassene Mas erscheint fast als eine Satyre auf die jetzige Lage der russischen Juden. Bildung wird nur aus der Hand angenommen, die in Liebe austheilt; Bildung muß zur Grundlage Vertrauen haben und die Ueberzeugung, daß der Geber nur Gutes beabsichtige. Wenn die russischen Juden in ihren bürgerlichen Verhältnissen die traurigste Erfahrung machen, wofür sollen sie dieses Geschenk ansehen? Es erinnert sehr an das Schicksal der Franzosen in Moskau, die -für ihren Hunger Canditoreien und Leckerbissen, aber nicht Brod fanden. — Dieses Geschenk kann aber auch nur das Elend der russischen Juden vergrößern. Es soll sie bilden und sie auf eine höhere Stufe bringen. Muß sie nicht, je höher sie stehen, die Tiefe des Abgrundes, den sie vor sich erblicken, noch mehr mit Grauen erfüllen? Bis jetzt hielt sie ihr ganzes Hingeben, ihr blinder Glaube, selbst ihr Aberglaube aufrecht, in ihm fanden sie eine Waffe, einen Schutz gegen den harten Druck. Sie werden sich bilden, der Aberglaube wird weichen, und zurück bleibt Verzweiflung. Dem russischen Juden erscheint also diese Gabe als eine wahrhafte Danaergabe, ihm sagt eine tiefere Besorgniß, daß es hiermit auf sein Liebstes, seinen Glauben, abgesehensei.— Mit dem moralischen Gute muß sich auch das politische verbinden, es wird beim Juden, wie so häufig im Leben, mit geistigem Tröste angefangen; er bedarf leiblichen. Wie doch der Jude sich zuweilen ganz vergißt! Aus Vrieg berichtet die Allg. Zeitung, es haben mehrere Juden die Adresse an Ronge mit unterschrieben. Wieder eine neue Art der Aufklärung! Der Jude gibt Aufschluß,

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