Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Die Symptome der Zeit. ausführbar sein, so köuueu Vereine, wie sie von einem unserer Mitarbeiter berührt wurden, die durch Vergütung dem Handwerker und Lehrling die Sabbatfeier erleichtern, zu Stande kommen. , Man strebe nur auch nach der Seite des Lebens hin, und es wird ihm mancheAccommodation mit dem Glauben abzuringen sein. Die Rabbinen sollen dafür begeistern, anregen und erwecken, und ihre Mißbilligung wird wohl auf eine Kraftäußerung für den Glauben mehr einwirken, als das süße Einschläfern und Beschwichtigen. Wir blieben bisher in der Betrachtung der Symptome der Zeit, zumeist bei den Rabbinen, stehen; denn wir erkennen auch hierin ein charakteristisches Zeichen der Zeit, daß das theologische Studium sich allmälig auf die Rabbiner beschränkt. Wie dieses früher anders war, wie die jüdische Gelehrsamkeit allgemein verbreitet und sie den Rabbiner machte, wurde früher nachgewiesen; man ist von der allgemeinen Verbindlichkeit zum Studium zurückgekommen , und so wird dieses das Besitzthum Einzelner, der Theologen, und wird im kommenden Geschlechte ihnen, wie es scheint, ausschließlich'angehören. Daß es bei ihnen gesichert sei und nicht auch ihnen abhanden komme, dafür Sorgfalt zu tragen, ist eine dringende Pflicht der Gegenwart; die gemachten .Erfahrungen, die sich äußernden Symptome mahnen hinlänglich, daß - dem fernem Verfalle vorzubeugen sei. Wir wollen den wissenschaftlichen jüngeren Männern, die Rabbinerstühle einnehmen, in keiner Weise nahe treten; doch forschen wir woher das vorwaltende Jncliniren zum Fortschritte über die Offenbarung hinaus, so liegt Vieles in dem Studiengange des jüdischen Rabbinatscandidaten, der, nachdem er sich mehr oder weniger mit der Theologie beschäftigt, die Universität beziehet und dort sich den Wissenschaften hingibt. Die jüdische Theologie wird allmälig zurückgedrängt; für sie ist keine Facultät, kein Lehrstuhl errichtet, und so wird ihr der Candidat stets mehr entfremdet. Er widmet seine Muße ganz der Wissenschaft, sie ziehet ein bei ihm, füllt die Räume seines Denkens aus, und jene wird verdrängt, die Liebe zu ihr (und oft das Wissen selbst) nimmt ab, und wandelt sich in Gleichgültigkeit und zuletzt in Verachtung um. Während der Katholik in seinem Seminar, während der Protestant von der Lehrkanzel herab für seinen Glauben erwärmt wird, steht der Jude, wie überall, vereinsamt und verlassen da und — erkaltet!-Aber selbstdieErrichtung einer jüdischenFacultät an einer Universität, wie man sie von einigen Seiten vorschlug, würde nach dem eigenthümlichen Geiste des jüdisch-theologischen Studiums nicht genügend ausreichen. Dieses Studium verlangt eine frühe, ununterbrochene Beschäftigung, und muß schon bei den Gymasialclassen beginnen, wodurch es also einen ungemeinen Eontrast zum Studium