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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-01-01 · 1 (Januar 1845) · p. Seite 16

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
1 (Januar 1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Die Symptome der Zeit. telt und Weggespöttelt werden darf. Wir können daher im mildesten Sinne es als Unbedachtsamkeit bezeichnen, wenn man die Behauptung hinwirst, es gebe kein talmudisches Judenthum mehr, und haben die Juden die Bande des Talmuds abgestreist. Für die, die abgestreist, gibt es noch weniger ein biblisches Judenthum, und selbst was sie beibehalten, und wo überhaupt beibehalten wird, ist es gerade dieser traditionelle historische Glaube, der sich ganz mit dem Judenthume verflochten und nicht etwa einen Theil, einen Anhang, einen nebenher laufenden Commentar, sondern die eigentliche Auffassung, die Handhabe und Perspective für das Gesetz bildet. — Aber wir können noch nach dem Entstehen manches rein rabbinischen Herkommens forschen, und es hat nie ein unbe« zweifeltes Ansehen genossen, oder es entstand nicht aus einem religiösen Motiv, und nehmen wir aufder andern Seite wahr, daß es sich im Bewußtsein des Volkes allmalig aufgelöst. Hier soll uns der Gebrauch der Fortentwickelung zu Gebote stehen, da die eigentliche Offenbarung unangetastet bleibt, und sind wir befähigt, ja sogar verpflichtet, uns in begründeten und motivirten Gutachten, denen man die Würdigung des Gegenstandes bei der tiefsten Achtung und Liebe zum Glauben ansiehet, hierüber offen auszusprechen. Wir führen hier an die Frage über mfl>ä iia ij» an ■ (welche aber freilich noch einer sehr tiefen und umsichtigen Erörterung bedarf), über die Trauergesetze (Modificirung), überden Genuß der Hülsenspeisen am Passah, über die Meziza bei der Beschneidung, dieausmedicinischerRückstcht angeordnet, aber durch manchen heutigen Umstand gefahrbringend ist *). Es darf hierbei wederdas Belächeln von der einen Seite, daß - hierbei wenig genützt sei, noch das Entsetzen auf der andern Seite über ein vermeintliches Sacrilegium, irre machen. „Mancher ist weit darüber hinaus, der Andere wird sich nicht daran kehren;" aber Viele zweifeln, fühlen durch diese Zweifel sich beschwert, und vertragt sich deren Lösung mit dem Gesetze, so soll nicht nur, weil das Leben fordert auf sie eingegangen werden, sondern weil derGlaube selbsthierdurch gewinnt, wenn er das aufgibt, was allgemein als unwesentlich erkannt und woraus der Stoff zum Vorwurf oder die Angewöhnung über den Glauben wegzusehen, hergeleitet wird. „Ein derartiger Fortschritt ist genau begrenzt, und laßt keine unendliche Entwickelung zu;" aber eine positive Religion kann den Fortschritt nur bis zu einem gewissen Ziele kennen; sie sagt schon durch ihre Benennung, daß fie ein Gesetztes, Unauflösden. Jedenfalls iü unbestreitbar richtig, daß Vieles schon sehr frühe seine allgemeine Geltung gehabt, wenn auch der Talmud, wie Maim. bemerkt, später hierfür einen Beweis aus der h..Schrift sucht. Ein bald folgender Aufsatz „über den historischen Glauben" wird das Nähere bringen. *) Hierüber ein Aufsatz in den nächstfolgenden'Heften.

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