Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Symptome der Zeit. 15 statt nach und nach mit einem Sprunge in's Heiligthum hineinstürzt! Und noch weniger darf man sich verhehlen, daß die in jenem Sinne wahrhaft gläubigen Priester und Diener sich mit jedemTage vermindern, und seien wir auch Hekchiliasten, und gestehen derWeltnur noch eineDauervon einigen hundert Jahren zu, wie soll das Judenthum in seiner gegenwärtigen Gestalt sich durch diesen Zeitraum erhalten, welche Hoffnung hat es für das kommende, welche für das darauffolgende Geschlecht? Da diese Besorgnisse männiglich bekannt sind, und dieses Klagelied in so vieler Mund herumgetragen wird, so brechen wir ab, glauben aber vom Stillstände selbst das Geständniß mitnehmen zu dürfen, daß nicht Alles, was sich 'vorfindet, seine absolute Verbindlichkeit habe; aber man soll es, weil es einmal da ist, beibehalten, und darf es aus Furcht des sich erweiterndem Riffes nicht abschaffen. Aus diesem sich immer mehr verengenden Kreise, wo selbst Ursache und Wirkung so unkenntlich in einander laufen, daß was man hier als Berechtigung zum Stillstände angibt, den Verfall des Glaubens, dort als Folge des unzeitgemäßen Verfahrens bezeichnet wird, wollen wir mildem Rückblicke auf manche frühere Bemerkungen herauszukommen versuchen. Es liegt in dem allgemeinen Bewußtsein einer Religionsgemeinde auch eine Offenbarung, die, so lange sie lebensvoll, das allgemeine Gut der Confesston ist, eine nicht mindere Anerkennung als die unmittelbare^ göttliche finden muß. Aber diese Offenbarung ist in ihren Theilen eine endliche;' es verschwindet nach Zeitbegriffen, nach äußeren Eindrücken und den Einwirkungen des Lebens Manches aus dem Bewußtsein, und es gebricht ihm der Stützpunkt, da diese Offenbarung sich nicht wie die unmittelbare auf den göttlichen Willen berufen kann. Sie ist aber unantastbar, so lange sie im Volke lebt, sie hat ihre Legitimation in dem Gemeinbewußtsein, und gestaltet sich hierdurch zum Heiligthume der Gemeinde, zu einer Gottesverehrung, und es darf selbst manches Unedlere, das sich im Laufe der Zeit darangesetzt, nur mit schonender Belehrung und Nachweisung entfernt werden. Die Tradition, die neben der Schrift hergehen soll , macht in der Quelle des heutigen Judenthums, im Talmud, keinen wesentlichen Bestandtheil aus, und dürfte sie sich als solche (Än) auf fünfzehn bis zwanzig Fälle beschränken*). Hingegen bildet der historische Glaube, was seit undenklichen Geschlechtern als Wesen und Kern angesehen wurde, die eigentliche Tradition**), die, je tiefer sie sich im Volke eingelebt, nicht wegvernünf- *) Vergl. Maimonides Einleitung zu Seraim 93 d. Es ist noch Manches hinzuzufügen, wie Succa 7 (NSL> , Baba Kama 15b. **) Maimonides will a. a. Oin dieser Allgemeinheit, ln dieser seit undenklicher Zeit bestehenden Geltung die sich bis auf Moses erstreckende Tradition fin-