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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-01-01 · 1 (Januar 1845) · p. Seite 14

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
1 (Januar 1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Die Symptome der Zeit. verjährten judenfeindlichen Principienstreites nun schon allmälig gewöhnt, daß sie fast auch bei Rabbinen nicht mehr befremdet; aber wenn sie von anderer Seite selbst gestehen, daß man aufgeben muß, nicht weil das religiöse Gefühl drängt, sondern weil die Verhältnisse es drängen, wenn man sich selbst für den Sabbat, der weder als rabbinische noch sonstige Albernheit ausgegeben werden kann, nach Accommodation umzusehett veranlaßt hält, da erscheint denn doch der Messtasglaube als ein rein religiöser, und der Wunsch nach seiner Verwirklichung drückt nicht Gleichgültigkeit gegen den Staat und seine Jntereffen oder eine politische Unbehaglichkeit aus, sondern das Verlangen, dem Glauben ganz dasSeinige geben zu können und nicht „durch die äußeren Verhältnisse gedrängt zu werden." Und stehet ein solches Verlangen nicht höher als jene materielle Rechtfertigung für die Verdrängung des Glaubens? Dieses soll die Höhe der Erkenntnißausdrücken, daß man an die Stelle des Glaubens einige nichtssagende allgemeine Formeln setzt, die nicht in der Tiefe des Göttlichen ruhen, sondern auf der Oberfläche des Lebens schwimmen und sich nach ihm erweitern und bilden? Ein solcher flacher, seichter Glaube, der mit dem vagen Namen „rationalistisches Judenthum," über das man gern die weitere Erklärung schuldig bleibt, bezeichnet wird, dieses proteusartige Bekenntniß, das von jedem äußern Luftzuge bedingt wird, soll göttlich sein? Und hierbei wird von Offenbarung, von Verbesserung auf dem Gebiete des positiven Judenthums gesprochen!— Wir gehen nun, um zur richtigen Orientirung zu gelangen, auf das andere Extrem über, auf den Stillstand. Als solle auch hier der bekannte Spruch, daß die äußersten Pole sich berühren, zur Wahrheit werden, erweitert auch der Stillstand den Kreis des geoffenbarten Judenthums, aber freilich im entgegengesetzten Sinne; er ziehet zuviel in diesen Kreis hinein und hat für ihn jeder Gebrauch, jedes Herkommen seine unantastbare Heiligkeit. Wenn wir über das Ungründliche einer solchen Ansicht leicht Weggehen können, so darf doch nicht unbemerkt bleiben, daß zwischen diesein Stillstände und dem modernen Pietismus keine Verwandtschaft obwaltet: jener ist an sich reiner Natur, er kennt nicht eine geschraubte, gekünstelte, menschenscheue Frömmelei; er will das Judenthum, wie er es ererbt und es ihm theuer geworden, weiter erhalten, und führt endlich als Beweggrund seiner Konsequenz die nicht ganz ungegründete Besorgniß an, man verlange erst das Aufgeben von Unbedeutendem, und wird dieses zugestanden, so komme man mit neuen Forderungen, dränge von Scholle zu Scholle, verjage aus einer Verschanzung nach der andern, bis endlich der Feind ins innerste Heiligthum eindringt. Aber man hat auch keine Gewähr, daß der Feind nicht

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