Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Symptome der Zeit. 13 soll verwischt werden, auf. daß es ganz in den Staat aufgehe, und sich zu dem schmieg- und fügsamsten Bekenntnisse herausbilde, das jedem Verlangen nachzugeben, nach jeder Forderung sich zu schmiegen weiß! Auch in dem Kampfe des Glaubens mit dem Leben bewährt weder der deutsche Jude, nach mancher seiner geistlichen Vertreter die Selbstständigkeit, die auch durch die größten Hindernisse sich einen Weg zu bahnen versucht. Die Verhältnisse der neuern Zeit haben manchen Zwiespalt hervorgerufen, manchen Riß zwischen den Forderungen der Religion und der Ausführung gemacht. Man fühlt sich, wie man sagt, gedrungen, dem Glauben Manches abzukämpfen; aber so heldenmüthig man sich aufdieser Seite des Kampfes zeigt, so schwach und muthlos ist man, wo es dem Widerstande gegen das Leben gilt. Bei dessen Forderungen stehet der Jude gebannt, wie manche schwache Thiere bei dem Anblicke des Löwen; er sinnt nicht auf Auswege, noch ist ihm der Gedanke je beigegangen, daß durch Festigkeit des Charakters und energisches, thatkräftiges Zusammenhalten er in dem Conflicte der religiösen Verhältnisse mit dem Leben diesem Manches abzwingen könnte; ein solcher Gedanke muß doch schon vor der gerechten Besorgniß schwinden, man werde ihm seine Jsolirtheit vorwerfen, er also den Zutritt zu der bürgerlichen Gleichstellung verlieren, oder ihn als hinter'dem Zeitgeistc zurückstehend ausschreien und also seine Aufklärung in Abrede stellen! Der deutsche Jude schmiegt sich größtentheils in die Verhältnisse, gibt sich sclavisch ihnen ganz hin, und es wollen manche Rabbinen hinterdrein dieses Verfahren rechtfertigen und Glauben und Leben zusammen aussöhnen. Wir sind bereit, das lobenswerthe Streben, den Glauben zu retten, als Motiv anzusehen, und muß es als schmähliche Trägheit angesehen werden, wenn man von mancher Seite ganz gelassen dem Verfalle zusiehet; aber'es kann in der sich überbietenden Bereitwilligkeit, dem Leben zu concediren, in dem Entgegenkommen des Aufgebens und Anschmiegens an die Zeit, dem nur jene ehrfurchtsvolle Unterthänigkeit gegen jede Forderung des Staats die Waage hält, der feste religiöse Sinn des Glaubensvertreters nicht gefunden werden. Der ehemalige Heldenruf „Alles für den Glauben" scheint im Munde mancher Rabbinen sich in das Losungswort „Alles für das Leben" umgewandelt zu haben; sie zeigen sich erfinderisch, wie jener diesem geopfert werde; der Mahnung, dem begeisterten Rufe, der Aufforderung, dem Glauben Opfer zu bringen, harret man vergebens entgegen. Und wie geräth man mit sich in Widerspruch! An. den Messiasglauben stürmt man ritterlich an; „dieser Wunsch drückt das Verlangen nach einer politischen Restauration aus, und kann mit der Anhänglichkeit an das Vaterland nicht in Einklang gebracht werden." Man ist an die Reproducirung