Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Die Symptome der Zeit. Eine andere traurige Erscheinung des minder festen Charakters des deutschen Juden tritt bei seinem Streben nach Emancipation hervor.^ Es ist schon lange sprüchwörtlich, daß er häufig Alles was an Juden und Judenthum erinnert, verläugnet, und mit einer bis ins Lächerliche getriebenen Aengstlichkeit als Jude aufzutreten vermeidet. Doch wenn hier vielleicht einige Entschuldigung in dem nicht selten abstoßenden Benehmen des Christen gegen den Juden gefunden werden mag, so verletzt um so mehr die unedle Verleugnung, die in seinem Streben nach Gleichstellung hervorbricht, und hier den größten Widerspruch in sich trägt: er will Freiheit, und gibt sie auf, und gibt sich selbst auf! — Man hat von mancher Seite die Confesston des Juden zum Vorwände gegen dessen Gleichstellung genommen: wir nennen es Vorwand, denn man halt in Deutschland dem Juden den Penelopenschleier entgegen; meinte man es Ernst, man würde so wenig wie in Frankreich und Holland an seinem Bekenntnisse einen Anstoß finden. Aber mit welcher Anstrengung — gewiß nicht mit einer göttlichen — sucht nicht der Jude den Vorwand zu entkräften, wie wird nicht der Glaube hin-und hergezerrt, will'man aus ihm Alles ausmerzen, was etwa mißliebig und der Erreichung des Ziels hinderlich sein könnte; wird er aufs Grausamste in das Procrustusbett eingeengt und die überzähligen Glieder ihm, als Palästina angehörend, abgehauen. Die an sich nicht sehr erhebliche Schrift B.Bauer's, die nicht allein dem Judenthume/nicht alleindem positiven Glauben, sondern allen religiösen und socialen Gesetzen den Krieg ankündigte, hat unter denJuden vielfältige Bemühungen hervorgerufen, und wie vermeinte man durch Concessionen, deren eine sogar bis zu dem naiven Geständnisse sich erging, „nicht das Judenthum, — dieses soll aufgegeben werden — sondern der Jude will emancipirt sein," den Gegner zu besiegen! — Auch hier tritt uns das bedenkliche Symptom entgegen, daß manche Rabbinen, vergessend, daß sie die Wächter und Hüter des Glaubens seien-, sich von einem, obschon an sich lobenswerthen Eifer, da die Vorenthaltung des Rechts auch mittelbar die Religion mittrifft, zum Verrathe an dem Glauben und zur Rechtfertigung der gegen ihn verübten Feindseligkeiten Hinreißen lassen. Sie verstehen sich zu manchem Aufgeben, wo sie offenbar nicht das innere Bedürfniß der Religion, sondern die Rücksicht nach außen leitet, und dieses Aufgeben wird urgirt, man scheut sich nicht, das Judenthum zu denunciren, und daß es unter seiner heutigen Gestalt nicht emancipirt werden könne. treten Manche in die Reihen der erbittertsten Gegner, und brandmarken einen großen Theil der jetzt lebenden Generation und viele vergangene Geschlechter; sie sprechen dem Judenthume Treue und Glauben ab und die Fähigkeit, wahrhafte Bürger des Staats zu bilden; jede Eigenthümlichkeit des Judenthums