Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Symptome der Zeit. 11 Auch hier wieder die passive Hingebung an das, was rationalistische in sich unklare Theologen schon lange ausgesprochen; und könnte ein solcher Reformator sich nicht auch gut einen Verbesserer des Griechcnthums nennen, wobei ihm noch dessen ästhetische Formen zu Statten kämen, und die hellenische Götterwelt mit dem uralten, unerschaffenen Kronos zur Grundlage seiner. Reformversuche machen? Worin stehet er dem Judenthume näher, als jenem? Etwa weil er als Jude geboren wurde? Doch lassen wir Jeden nach seiner Einsicht walten, so lange er für sich berathen, seine Meinung als ein Dafürhalten ausgeben will. Unsere Zeit zeigt aber noch ein bedenklicheres Symptom. Dieser Weg des Fortschrittes wird auch von manchen Rabbinen betreten und soll er das Licht für den Glauben enthalten. Sie wissen das Judenthum nur nach den sich jetzt breitmachenden Begriffen zu messen, die Offenbarung gilt ihnen nur als die Manifestation des Geistes, oder sie wird aus den einen Punkt der Einheit Gottes zurückgedrängt. Und hieran reihen sich die Bemühungen, das heutige Judenthum so tief als nur immer möglich herabzuziehen und ihm die größte Bornirtheit und Albernheit als Basis anzuweisen: „was Moses und die Propheten verkündet soll Geltung haben, aber nur in sofern es der heutigen Zeit zusagt, und sich mit dem Leben vereinigen will." Was nun vom Judenthume übrig bleiben wird, ob ein solches Judenthum mehr als eine Negation des Christenthums ist, ob man nicht in ihm den väterlichen Glauben abschwört, berücksichtigen diese Leiter des Volkes nicht, sie, die dasselbe mit seinem Vertrauen bekleidete, die'es inder guten Absicht berief, daß es seinen Glauben vertrete und weiter bewahre. Ihr Fortschritt, wie er sich auch imrner von außen Beifall erwerbe, ist nicht der auf geoffenbartem Gebiete; mögen sie als Koryphäen inder früher bezeichneten dritten Partei obenan stehen, doch noch haben wenige christliche Geistliche ihren Fortschritt auf solche Weise, indem sie des positiven Bodens sich begaben, ausgesprochen, und noch weniger haben sie sich zu Verdächtigung und Denunciationen und der kältesten, jedes bessere Gefühl beleidigenden Verspottung der von ihnen vertretenen Confession Hinreißen lassen*). *) Wie weit diese Zügellosigkeit getrieben wird, beweisen die Artikel des „Israeliten des 19. Jahrhundertsund man nimmt mit Bedauern wahr, daß der Redacteur, ein Rabbiner , nicht zufrieden ihre Ansichten zu vertreten, unermüdlich ist. Alles was ihm im Judenthume nicht behagt, mit jeder erdenklichen Schmähung gehässig und verlaumderisch zu verfolgen, keine Gelegenheit versäumt, die diffentirenden Ansichten und deren Anhänger denunciatorisch zu verunglimpfen, und dem gemeinsten Spotte über Alles, was dem Juden heilig und ehrwürdig ist, seine Spalten zu öffnen. Man weise noch in einer andern Confession ein von einem Geistlichen in solchem Geiste redigirtes Blatt nach!