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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-01-01 · 1 (Januar 1845) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
1 (Januar 1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Die Symptome der Zeit. 9 Eine drittePartei gehet auch über diesesZiel hinaus, und will jedes Positive aufheben; eine Fraktion hiervon erblickt selbst in der Idee der Gottheit eine aus der Abstraktion des Subjekts hervorgegangene hypostasirte Vorstellung, eine Selbstvergötterung. Diese Partei wird nicht als im (positiven) Christenthume stehend angesehen, und giebt sich auch nicht dafür aus, da sie jeder Offenbarung geradezu entgegentritt. Wenn also ChrisMHmn und Licht das allgemeine Feldgeschrei sind, wenn öffentliche Organe und populäre Schriftsteller sie als innigst verbunden anpreisen, so ist hiermit die erste und zweite Richtung vertreten; der Fortschritt soll aussprechrn: Abwehr geistlicher Macht und freie religiöse Entwickelung^ — Wie bezeichnet sich aber der Fortschritt auf dem Gebiete des Judenthums? Der Protest gegen Priesterherrschast findet hier gar nicht Statt, da, wie schon mehrere Male in dieser Zeitschrift erwähnt wurde, Rabbinerthum nicht Priesterthum ist, die Rabbinen keine geschloffene Kaste, keinen besonderen Stand bildeten, und es muß als ein sehr bedauerlicher Jrrthum betrachtet werden, daß man, um sich die Darstellung zu erleichtern, den Begriff Rabbiner durch den des Geistlichen erschöpfen wollte, und zur,größernIdentität ersterem auch Manches von letzterem andichtete. So hoch auch der Gelehrtenstand im Judenthume gehalten wurde (vergl. v. Jahrgang, Juniheft S. 93 — 97) und sich selbst hielt, so war doch nicht sein Ziel Herrschaft, und daß er der Gebietende, das Volk das Dienende und Blindgehorchende sei. Die ganze Richtung der jüdischen Theologie, der praktische Boden, auf dem sie sich der spekulativen Gottesgelehrsamkeit des Christenthums gegenüber bewegt, ihre Anschauungs- und Deductionsweise ließ Herrschaft und Bevormundung nicht aufkommen; und es ist auch in der That nicht dieses Schreckgespenst, das die jüdische Gegenwart ängstigt, und zur Vorsicht und Abwehr in die Schranken ruft. — Der Fortschritt kann also nur in der fernern Entwickelung gefunden werden, aber natürlich im Judenthume, in der Offenbarung. Und wie wurde dieser Fortschritt seit einigen Jahren gesucht und gefördert! Wir wollen dem deutschen Juden kein Unrecht thun; wir blicken mit jedem Gutdenkenden mit freudigem Stolze auf die Theilnahme, die er, seitdem ihm der Zutritt gestattet ist, an den Fortschritten des Wissens bethätigt, auf sein lebhaftes Eingreifen in alle Gebilde und Formationen, die Wissenschaft und Kunst an den Tag fördern, auf die Manifestation seiner Befähigung und Ebenbürtigkeit, die ihm wenigstens in der Gelehrtenrepublik Gleichstellung erwarb. Aber was an. dem deutschen Juden zu tadeln sein dürfte, ist ein Mangel an Selbftbewußtsein, der unzureichende Fond an Charakterstärke, an kräftiger Selbstständigkeit. Der deutsche Jude gibt durch eine Reihe von Jahren sich zu sehr der Tagesphilosophie und

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