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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-01-01 · 1 (Januar 1845) · p. Seite 8

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
1 (Januar 1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Die Symptome der Zeit. daß die Juden ebenbürtige Landeskinder sind; die iin abgelaufenen Jahre ergangene merkwürdige französische Ordonnanz hinsichtlich der Bildung der Conststorien u. s. w. legt hiervon einen neuen glänzenden Beweis ab. — In England wurde der Jude Salomons zum Aldermann erwählt; er hatte den Muth zu erklären, daß er den Sabbat feiere (!) und verschob das übliche Gastmahl auf einen andern Tag; er hatte aber auch die Festigkeit, die übliche Eidesformel, die er freilich als Jude nicht gut leisten konnte, zurückzuweisen. Der kräftige, charaktervolle Engländer, der auch in Anderen Charakterstärke zu schätzen weiß, gab Salomons von mehreren Seiten seine Billigung zu erkennen, und man stehet hinsichtlich des Eides der Entscheidung des höhern Gerichtshofes entgegen. - Wir eilen nach dieser Skizze zu den inneren Angelegenheiten des Judenthums, wo es uns nicht sowohl um die einzelnen Facta, als um den Geist, der aus ihnen spricht und sie bewegt, zu thun sein kann. Der allgemeine Kampf, der im Schoße der Confessionen erwacht, hat sich auch auf das Judenthum herübergezogen,- und stehen hier ebenfalls zwei Parteien, die des Fortschrittes und die des Stillstandes, einander gegenüber. So gefällig und faßlich auch diese Eintheilung scheint, und man sie von mancher Seite gern festhält, um in der öffentlichen Meinung zu gewinnen, so zeigt sie doch ein näheres Eingehen als nicht ausreichend, da die Motive des Kampfes im Judenthume verschieden von denen im Christenthume sind, und auch die Folgen eine andere Gestaltung annehmen. Der Fortschritt im Christenthume ist in seinem Beginn geistig-weltlicher Natur; er galt und gilt noch heute vorzüglich der Priesterherrschast, die in ihrer Uebermacht sich in weltliche Herrschaft umwandelt, sich zur Gebieterin der Meinungen und Handlungen aufwirft, und sich endlich an die Spitze der Staaten stellt. Der allgemeine Aufruhr, den das Umsichgreifen der Jesuiten erzeugt, die unruhige Besorgnis über den neuen Aufschwung der geistlichen Macht haben ihren Ursprung in dem Bewußtsein, daß bei weiterem Zunehmen, sie sich in weltliche Macht umwandeln und Gewissens - uüd bürgerliche Freiheit und Recht gefährdet sein würden. Darum selbst von Vielen, die fest im Christenthume und allen seinen Dogmen stehen, diese Schilderhebung; es gilt der geistlichen Anmaßung, dem sogenannten Pfaffenthume, das mit selbstischen Zwecken sich an die Stelle der Religion setzt. Neben diesem geistig-weltlichen Kampfe zeigt sich ein rein geistiger, der im Bunde mit der Wissenschaft das Christenthum läutern will: auch er erkennt dasselbe nach seinem Positiven und seinen vorzüglichsten Dogmen an, sucht es aber von menschlicher Satzung und aufgedrungenem Glaübenszwange frei zu machen und eine weitere Entwickelung vorzubereiten.

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