Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Symptome der Zeit. 5 die Gleichstellung als Vehikel, um den Juden zum Christenthume hinüberzuziehen, vorgeschlagen wird, und' man den Staat zu einer Proselytenanstalt machen will. Moralisch übertrifft dieses Vorgesetzte und leitende Ziel weit jenes der offenbaren Judenunterdrückung, das Unrecht soll nicht gutgemacht, sondern durch hinzugekommene Verführung vermehrt werden, und wir können nur mit Entrüstung derartige Absichten zurückweisen: solche Bevorwortung ist an sich ungründlich, sie verwechselt Staat und Religion; sie ist feindlich, ihre Absicht geht dahin, uns für eine kleine Gabe das höchste Gut zu entlocken; sie ist endlich unwahr, da sie auf dem Standpunkte des Gewahrens verbleibt, wo das Recht eine gegründete Forderung auf der andern Seite zeigt. Zu der Unentschiedenheit der öffentlichen Meinung tragen noch bei der ausgesprochene Gedanke des „ christlichen Staats " und der Jndustriellismus. Beide sind zwar keine neuen Erscheinungen: schon das Mittelalter in seiner finstersten Gestaltung predigte sie laut, und wenn man den modernen Ueberwurf abziehet, so bleibt hier zurück „der ungläubige Jude," dort „der habsüchtige, Alles überflügelnde Jude kann nicht in den Staat ausgenommen werden." Der Fortschritt bestehet also darin, daß was früher die Naivetat, nun die kalte Reflexion ausspricht, und es erregt Bewunderung, daß man sie bis auf diese Höhe hinaufzuschrauben wußte. Unser an Paradoxen so reiches Zeitalter springt von den zu weit getriebenen Gleichheits- und Humanitätsideen der Revolutionsepoche zum andern Extrem über; und noch weniger befremdend ist, wenn Brodneid und Zunft- und Krämergeist sich gegen den Juden verschwören. Vou den wirklichen Ereignissen des vergangenen Jahres ist wenig Erfreuliches zu berichten. Die Anklage des Gebrauches von Christenblut fand noch in der Literatur Vertheidiger und in dem Pöbel zu Tarnow, dessen Gesinnung auch von der Obrigkeit getheilt worden zu sein scheint, Vertreter; sie fand aber auch eine siegreiche Gegnerin in der Wahrheit, die bald das finstere Getriebe enthüllte. — Wir würden die Pöbekaufläufe zu Prag, Gesecke und an anderen Orten nicht erwähnen, läge nicht etwas grausenhaft Ueberraschendes darin, daß noch in unserer Zeit sich beinahe die blutigen Scenen früherer Tage wiederholt hätten. Sehr zu bedauern ist, daß da einmal Zn staatlichen Verhältnissen nicht nach Gesinnung, sondern nach Stand und bürgerlicher Eigenschaft classifieirt wird, die Prager Unruhen nach der auch von anderer Seite daran bezeugten Theilnahme (vergl. v. Jahrgang Septemberheft) , nicht mehr zu den Pbbelaufläufen gehören. Die Regierung schritt kräftig ein, und unterdrückte die einstweilige Gefahr; aber sie ist nicht völlig aufgehoben, so man nicht auf der von Joseph II. be-