Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Die Symptome der Zeit- und dem Juden entgegenkommen, und er wird sich veredeln und ganz dein Staate angehören. Wir wissen nicht, welche Hoffnungen man noch daran knüpft; doch können wir mit Bewußtsein sagen, daß wir die gerechten schon lange erfüllt. Der Deutsche liebt zu sehr Theorien und bleibt bei Abstractionen und Principien stehen, die wohl in der Schule discutirt werden mögen, im Leben aber, das ihnen lächelnd ein Quoique uud Quand mömo zuruft, schon längst ihre Erledigung gefunden. Wenn mancher deutsche Staat die principielle Consequenz bis zur deminutio capitis oder der Beibehaltung des Schutzjudenverhältnisses treibt, warum nicht das Auge auf andere Staaten richten, wo man den Juden wenigstens als einen für den Schutz nicht besonders verpflichteten Inquilinen ansiehet, und der Jude deshalb doch nicht ein schlechteres Mitglied des Staatsverbandes ist? Wenn einige Theoretiker ihre, aus der Spekulation und der Weisheit tiefsten Tiefen geschöpfte Meinung verkünden, daß der Jude, da er den Messias und die Rückkehr nach Jerusalem ersehnt, ein anderes Land nicht als Vaterland ansehen könne, warum befragen sie nicht Staaten, die den Juden bei seinem Messias und seinem Jerusalem als vollständigen Bürger anerkannt und in ihm auch den zuverlässigsten, alle Interessen des Vaterlandes aufs Treueste theilenden Bürger gefunden haben? — Es sei aber nur noch bemerkbar gemacht, daß da wir, in der Gleichstellung nur unser gutes Recht erblicken, so kann uns zwar gleichgültig sein, unter welchem Beweggründe man es uns zugestehet; doch halten wir den der Veredlung als eine etwas zu weit getriebene Selbstüberschätzung. Wir wollen nicht den Juden höher als die anderen Staatseinwohner stellen, aber der Stolz des Mächtigen und Herrschenden soll ihn nicht verleiten, sich, weil im Besitze der Macht, auch in dem höherer Tugenden zu wähnen, weil Vorurtheile ihn Juden und Judenthum verachten lehrten, diese Verachtung als ein gegründetes Urtheil anzusehen. Man nehme sich die Mühe, den Juden genauer kennen zu lernen: er ist kein verworfener Mensch. Gehört es nun zu der allgemeinen Aufgabe eines Staates, sich zu einem Tugendinstitute zu machen, so mag auch der Jude als Bürger sich die Veredlung gefallen lassen; will man aber bei ihm allein die Rolle des Erziehers übernehmen, ihn sogar, wie Manche meinen, allmälig heranreifen lassen, um ihn der Emancipation — wir brauchen hier vorsätzlich diesen Ausdruck, da er an die Freilassung der Sklaven, die ebenfalls an solche Bedingungen geknüpft wird, nur zu lebhaft erinnert — fähig zu machen, so muß dieses Mentorspiel uns nur als Anmaßung erscheinen, als Bevorrechtung, die man beansprucht, um sich entweder das Geständniß des lang verübten Unrechts zu ersparen oder um es noch weiter-verüben zu können. — Noch unwürdiger ist, wenn