Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wie Symptome der Jeit. E6enn nach einem alten Gleichnisse die Zeit eine in sich gewundene Schlange ist, deren Anfang und Ende nicht gefunden werden kann, wenn vorzüglich unsere Zeit in steter Bewegung und Aufregung sich selbst unaufhörlich verdrängt und nirgends einen Ruhepunkt bietet, an welchem man ein Ende und von welchem man einen Anfang bezeichnen könnte, so wollen wir mindestens den alten Formalismus des Jahresbeginn nicht unbenutzt lassen, und bei der Eröffnung eines neuen Jahrganges uns in der Zeit , was sie gebracht, und ob ihr der Erisapfel entwunden oder sie ihn von Neuem zur Zerspaltung und Zerklüftung, zum Angriffe und zum geharnischten Widerstande hinwirft, Umsehen. Bei dieser Ueberschau müssen wir aber nach der eigenthümlichen Lage des Judenthums, das noch auf politischem und religiösem Boden ein großes Stadium durchzulaufen hat, das nach seinem kirchlichen Bekenntnisse von vielen Staaten zurückgewiesen ist, und über dieses Bekenntniß selbst mit sich ins Klare kommen will, den Blick sowohl gegen außen als gegen innen richten und die hier und dort aufgetauchten Erscheinungen nochmals an uns vorüberziehen lassen. Das Jahr 1844 zeigt in der bürgerlichen Verbesserung der Juden geringe Fortschritte, und selbst der Staat des „Vorwärts" läßt lange auf die Erfüllung einer früher gegebenen Verheißung warten. Die öffentliche Meinung schwankt, und ist mit sich uneins. Der Jude ist ihr nun zwar ein Gegenstand der Beachtung, und stehet sie nicht mehr mit der früheren Geringschätzung, die in dem Juden nur eine Personisicirung der Unwissenheit, des Aberglaubens und des Betruges erblickte, über ihn weg. Aber sie kann sich noch nicht mit dem Gedanken ganz vertraut machen, der Jude sei Bürger des Staates. Daher wird selbst von manchen sogenannten Emattcipationsfreunden die bürgerliche Gleichstellung als ein Geschenk, eine Concession angesehen, die der'Staat machen soll, um gute Bürger zu erwerben; man soll erperimentiren