Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 9 (Dezember 1844)
- Date
- 1844-12-01
- Page
- Seite 350 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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350 Allgemeine theologische Bibliographie. zogen sie durch das „Thor der Stämme" ein. Die Straßen waren enge und mit losen Steinen und den Ruinen verfallener Häuser erfüllt. Sie gingen durch den Bazar und kamen Ln das Judenguartier, welches das reinste unter den durchzogenen zu sein schien. Der vollkommenste Jubel des Volkes empfing sie; Alles drängte sich sie zu sehen und die allgemeine Freude auszudrücken. Als sie bei der Synagoge anlangten ging der Gouverneur mit ihnen hinein und sagte dann zu M. er wolle ihn seiner Andacht überlassen; seine Officiere werden ihn begleiten, wenn er nach dem Oelberg zurückkehren wolle. M. wurde zum Sefer (Thora) gerufen. Hierauf besuchten sie drei andere portugiesische und zwei deutsche Synagogen. Eine neue Synagoge und zehn Häuser waren zum Theil gebart, mußten aber aus Mangel an Geldmitteln unvollendet bleiben. Bei ihrer Rückkehr dasselbe Gedränge in den Straßen, lauter Jubel, Wünsche und Gebete für ihr Heil und Wohlsein. M. besuchte den Gouverneur, Lady M. blieb inzwischen in Herrn L's. (Lehren?) Synagoge, und kehrte mit jenem bei dessen Zurückkunft durch den Davidsthurm, das Thal Josaphat, den Berg Zion und den Berg Moria zurück. Beide waren zwar sehr ermüdet, doch voll dankbaren und freudigen Gefühls. Donnerstag (13. Juni) wurden die gewöhnlichen Geschenke an die Armen vertheilt, nur konnte M. wegen der Pest die Vertheilung nicht unmittelbar vornehmen. Mehrere Frauen, die einen Verein zur Unterstützung der Kranken und der Ausstattung armer junger Mädchen gestiftet hatten, wendeten sich brieflich mit der Bitte an Lady M., daß sie Vorsteherin, (Beschützerin) des Vereines werde und erlaube, ihren Namen an dessen Spitze zu stellen. Dieses wurde unter Beifügung eines Geschenkes bewilligt. Auch die Dienerschaft des Gouverneurs wurde beschenkt, und unter die ärmeren Muselmänner Geld vertheilt. Freitag, (14 Juni) reisten sie ab nach Hebron, und nahmen nun Abschied von Zion, Moria und den unzähligen Erinnerungen einer zwar nun dahingeschwundenen Glanzepoche, die aber dem Herzen der Kinder Israel stets gegenwärtig ist. „O, Wer könnte verweilen au diesen Orten und nicht vor Andacht und heiliger Liebe erglühen" fährt das Journal fort, „Wer aus die heiligen Stellen schauen nach denen Moses sich so sehr gesehnt, wo David und Salomon wandelten, wo Abraham beauftragt wurde seinen Sohn darzubieten, durch den alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten! Wer kann hier verweilen und den Wunsch unterdrücken, daß der Tag komme, wo das Wort des Herrn sich erfülle: „Frohlocket, brechet aus in Freude, Trümmer Jerusalems; denn der Herr tröstet sein Volk, erlöset Jerusalem. Der Ewige hat entblößt seinen Arm vor den Augen aller Völker, und alle Enden der Erde sollen sehen die Hilfe unseres Gottes!" (Jesaia52, 9. 10). Sie zogen vor dem Grabe Rachel's vorüber, wo Lady M. ihren Namen unter den vielen Tausenden, die auf dem Monumente eingeschrieben waren, verzeichnte. Der Weg führte hierauf durch eine wilde felsige Gegend, wo sie ein Wasserreservoir, Berekat-David genannt, fanden, von wo ein in der