Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 9 (Dezember 1844)
- Date
- 1844-12-01
- Page
- Seite 349 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Allgemeine theologische Bibliographie. 349 Ein junger Mann schüttelte das Haupt und äußerte sich in roher Weise: „Ibrahim Pascha habe verboten einen Franken das heilige Gewölbe betreten zu lassen, da im vorigen Jahre ein Europäer eins der Thore gewaltsam eingestoßen hatte." Es entstand ein heftiger Wortwechsel, bis endlich der Scheikh gerufen wurde, der sie in ein Zimmer führte, wo eine Art Grab war, welches er als die heilige Stelle ausgab, die die Reisenden suchten. Diese aber wohl wissend, daß David nicht in einem erhöhten Gebäude sondern in einem Gewölbe begraben sei, protestirten gegen diesen versuchten Betrug, und schrieben einige Zeilen an den Gouverneur, in welchen sie ihn ersuchten, daß er für einige Augenblicke sich hierher begeben wolle.' Dieser erschien mit seinem gewöhnlichen Gefolge, und der Scheikh zeigte die Ordre Jbrahim's vor, keinen Franken in das Grab David's einzülassen. Die Reisenden wendeten hiergegen ein, daß dieses wohl im Allgemeinen gelten möge; doch da sie des Paschas (Mohamed Ali) Soldaten selbst zu Begleitern haben und geachtet und geschützt von allen Befehlshabern Syriens feien, so kann jenes nicht auf sie angewendet werden, doch wollen sie sich dem Wunsche und Ausspruche des Gouverneurs fügen. Dieser erwiederte, daß sie hineingehen könnten und er selbst sie begleiten wolle. Sie traten nun in ein weites in türkischem Geschmack bemaltes Gewölbe, an dessen hintersten Ende sie eine gegitterte Thüre bemerkten, und sich ihr nähernd sahen sie durch das Gitterwerk das Grab des königlichen Sängers. Sie verrichteten dort ein inniges Gebet wie es ihnen ihr Gefi'chl eingab und die Erinnerung an den hier Ruhenden der von Gott zum Herrscher ausersehen war, und noch mehr als durch seine königliche Würde durch Gaben der Frömmigkeit und Heiligkeit hervorragend jene Gesänge sang, die das Labsal unzähliger Geschlechter ausmachten und allenthalben innige Verehrung finden *). Des Nachmittags empfingen sie eine Deputation der vorzüglichsten Einwohner Hebrons. Den Abend als dem Jahrestage (30. Sivan) der Einweihung der Synagoge zu Ramsgate ^) und zugleich der Verheirathung des edlen Paares, feierte die ganze Gesellschaft mit Gebeten unter freiem Himmel) worauf dann Erfrischungen herumgereicht wurden. Mittwoch, (12. Juni) zogen sie in Jerusalem ein. Der Gouverneur, der M. ein feuriges arabisches Pferd gesandt hatte, führte mit seinen Offieieren den Zug an, hierauf die Kavallerie mit ihrem Hauptmanne; zwei Soldaten mit ihren Musketen gingen vor der Lady M. her. So bewegte sich der Zug von dem Oelberg herab und durch romantische Thäler, in denen türkische Soldaten in Reihen aufgestellt waren, der Stadt zu. Hier 1) Wir bedauern, daß das Journal uns nicht Mehreres über dieses Grab mittheilt. D. Red. 2) Ramsgate ist der Wohnort Montefiere's, der daselbst das Schloß Eanst- Kliffe besitzt. Der Univers Israelite, Octoberhest d. I., bringt eine Beschreibung des. Schlosses und der von M. zu Ramsgate errichteten Synagoge, die wir gelegenheitlich mittheilen werden. D. Red.