Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 9 (Dezember 1844)
- Date
- 1844-12-01
- Page
- Seite 342 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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342 Bericht über Synagoge und Schule. ollmützer Kreis hat sechs Gemeinden. Proßnitz, von einem regen, seltnen Gemeindesinn durchdrungen, dankt seinem eben so gelehrten als freisinnigen Rab. Hrn. Fasset die völlige Umgestaltung und Veredlung des Gottesdienstes, einen mit gleicher Trefflichkeit organisirten und geleiteten Handwerksverem, und hauptsächlich eine durch Blüthe der Phantasie wie durch Schönheit des Gedankens sich auszeichnende Predigt. Die dortige Talmud-Tora-Anstalt, die Mutter aller ähnlichen Schulen Mährens, erhält demnächst eine Erweiterung des Unterrichtsplanes, in welchen nun auch die Gegenstände der vierten Hauptschulklasse (Geometrie, Naturlehre, Erd- und Naturbeschreibung) ausgenommen werden. Das Lehrbuch dieses Zweiges so wie die Leitung des Ganzen wird einem, nächstens anzustellenden Dirigenten übergeben, welches Amt, seit Weiße's Abgang, nicht eigentlich besetzt ist. Als literarische Notabilität verdient hier der im geistigen und leiblichen Dienste der Menschheit gleich beschäftigte Hr. M. Gideon Brecher eine ehrenvolle Erwähnung. Auch der geistreiche und gründliche Rabbinatscandidat M. Steinschneider, der durch seine Theilnahme an der Edition des Ez Chajim von Ahron ben Elia (Leipzig 1841, Tauchnitz) so wie durch mehre, pseudonyme Arbeiten im Fache der Literaturgeschichte der wissenschaftlichen Welt vortheilhast bekannt ist, gehört dieser Gemeinde an. Ge witsch läßt seinen Rabbinatssitz, aus unzeitiger Klarheit, verwaiset, einem ohnmächtigen Provisorium preisgegeben; Und doch bewahrt diese Gemeinde (der ehemalige Wirkungskreis eines Deutschmann und Schwabe) einen kernigen, gesunden Sinn, einen empfänghaben. Gelegentlich folgen ein Paar Worte über die Wirksamkeit dieser Herren, da dieselbe sich in sehr bedeutendem Grade aus Mährens israelitische Jugend erstreckt' Hr. vr. W. ist nicht nur ein sehr schätzbarer Gelehrter, der sich durch seltenen Fleiß vom hilflosen Bachurlein znm D.octor der Rechte und der Philosophie im ordentlichen, öffentlichen Studio hinaufgearbeitet hat, und dabei im Gebiete jüd. Theologie recht wohl zu Hause ist, sondern auch ein sehr wackerer Schulmann, der still und unverdrossen das ihm anvertraute Feld bebauet. Gleich geräuschlos, und auf die Masse der österreichisch-jüdischen Jugend noch erfolgreicher, wirkt Hr. Breuer in Wien als treuer, ernster Arbeiter im Weinberge des Herrn. Der jährliche Transport neuer, besonders aus Ungarn und Gallicien herbeiströmender Zöglinge, nimmt die Thätigkeit B's. vollauf in Anspruch, der mit geübter, sicherer Hand den Meißel an die rohe, widerständige Masse setzt, und meist, schon nach dem Umläufe eines Jahres ist aus den veredelten Formen kaum mehr der rohe Stoff zu erkennen. Der Unterrichtsplan nach den verschiedenen Studien und Jahrgängen ist sehr musterhaft, und verdient insonders die getroffene Einrichtung, daß die Kurse öfters unabhängig von einander sind und daher in beliebiger Ordnung gehört werden können, die vollste Aufmerksamkeit und Nachahmung bei ähnlichen Instituten. Was endlich die Akademiker betrifft, so werden dieselben von Mannheimer dazu angehalten, den Stoff seiner unvergleichlichen Vorträge in freien, selbstständigen Aufsätzen zu bearbeiten, ohne daß die erwachsenen Jünglinge zum sclavischen Einstndiren stehender, ihrem Alter und Wiffcnschastsgrade wenig zusagender Eintheilungen re. verurtheilt sind. Hr. M. scheint also doch nicht immer „der freien Entwickelung den Weg zu versperren" wie Hr. vr. Holdheim (Beschneidung, S. 3. Anm.) seltsam genug demselben zur Last legt.