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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-12-01 · 9 (Dezember 1844) · p. Seite 336

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
9 (Dezember 1844)
Date
1844-12-01
Page
Seite 336 (sequence 10)
Language
German
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336 Reformbestrebunge» und Emancipation. ist die Norm für die erforderlichen Kenntnisse und das religiöse Leben des Religionslehrers? Was sind die nothwendigen Gegenstände des Religionsunterrichts? Wie steht's mit dem Privatunterricht in der Religion? Wo sind die Bildungsschulen für Religionslehrer? Könnte, müßte da nicht eine durchgreifende Organisation wohlthätig wirken? Jngleichen fehlt es uns ganz an dem Maßstabe für die Befähigung und die Erfordernisse der Rabbinen, sowie für die Bildungsschulen derselben. Die haben aufgehört und keine deren Zwecke entsprechende Anstalt ist am deren Stelle getreten. Was macht den Rabbinen? Wer autorisirt ihn? Oft Nichts als die Kunst sich ein Nabbinat zu verschaffen, und nach der vorwitzigen Meinung einiger halbgebildeter Reform anstürmender Theologen, die negative Tugend, daß er sich nie mit dem „verschrobenen Rabbinismus" befaßte. Wäre hier nicht eine Organisation nöthig und heilsam? — Man kann ferner nicht verkennen, daß das Leben jetzt mehr als je mit manchen unserer Religionsvorschriften in Conflict gerathen, man kann aber eben so wenig läugnen, daß es nicht in unserer Macht stehe ihn beftiedigend zu lösen, indem dieses z. B. geradezu den Sabbath aufzuheben, oder was dasselbe ist, ihn auf „Feier ohne Ruhe" zu beschränken erforderte. Man strebe aber dem Volke die falsche Schaam zu benehmen, daß es sich aufrichtig zur Heiligung seines Sabbath's bekenne, begeistere es dafür, daß es ihm etwas zu opfern vermöge, kräftige es in der Religion, daß es characterfest und Achtung gebietend auftrete und durch seine moralische Kraft Berücksichtigung abnöthige, errichte Anstalten um durch Vergütigung bei Meistern und Kaufherren Begünstigung für die jüd. Lehrlinge zur Feier ihrer Sabbathe zu erlangen, und es wird sich Herausstellen, was Israel vermag, wenn es ernstlich will. Und kann dies allerdings die Collision keinesweges ganz ausgleichen, nun so erkenne man die Schwierigkeit, und lerne daraus, daß wir außer der Emancipation noch Vieles zu wünschen haben, und daß diese nicht unser Götze sein dürfe. Jedenfalls müssen wir bekennen, daß uns die emancipirten holländischen Juden an strenger Religiosität beschämen, und daß wir noch lange nicht das Unsrige gethan haben, den Versuchungen des Lebens zu widerstehn; daß im Gegentheil der jüdische Lehrling oft beim Christen mehr Nachsicht für seinen Sabbath findet, als bei dem jüd. Meister, und daß noch öfter als die Verhältnisse uns Leichtsinn und Uebermuth, Geringschätzung der Religion oder unedle Schaam zu Concesstonen verleiten. Man zeige endlich in den Reformversuchen, ob man je das innere Bedürfniß allein, und nicht den Beifall der Welt berücksichtige!

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