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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-12-01 · 9 (Dezember 1844) · p. Seite 335

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
9 (Dezember 1844)
Date
1844-12-01
Page
Seite 335 (sequence 9)
Language
German
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Reformbestrebungen und Eniancipatioir. 335 Wer bei der Mitwelt Achtung beansprucht, der zeige auch, daß er sie seinen Vorfahren zu zollen verstehe. Israel ein Sumpf! so spricht ein Jude, ein Rabbine vor Rabbinen! Aber in dem Sumpfe lebten, abgeschieden von der Herrlichkeit der Welt und aus dieselbe verzichtend, die Bewohner in innig gemüthlichem keuschen Familienleben, in stiller Ergebung und Frömmigkeit, und in Erhebung zu Gott, den sie, oft beunruhigt, getrost und fromm aus der Tiefe anriefen und priesen, zwar ohne Orgel und ohne melodischen Gesang, ohne Anstand, nach Art der Sumpfbewohner, aber in lauterer, aufrichtiger, gesinnungövoller Hingebung. Nur hin und wieder spritzten die Buben durch Steinwürfe den Koth empor, den sie hinein geworfen hatten. So lebte das stille Völkchen, geflohen und gemieden, gehaßt und verachtet, doch rein und ergeben, scheinbar im Sumpfe, in der That aber, mit jeder Faser seines Daseins im ungetrübten Himmel seines Herzens, durch hundertfache Faden im Bunde mit Gott vereinigt, bis einige Frösche ihre Heimath verließen und in der Fremde den künstlich geregelten Tänzen und melodischen Gesängen der Weltkinder nachhüpfend, vor den Thüren derselben um Einlaß baten und zmn Danke dafiir den Sumpf und seine Bewohner quakend verriethen. — Bemerken wir ferner, wie jüdische Geistliche es nicht verschmähen durch polillsche Verdächtigung ihrer Collegen dem Pnblicum zu schmeicheln; sehen wir andererseits selbst einen Rabbinen die Rolle des Denunciators gegen den Talmud übernehmen und vernehmen, wie er um Volksgunst buhlend, das vierte Gebot über Bord werfend, die Sabbathfeier ohne Sabbathnche zu ermöglichen denkt; müssen wir da nicht ausrufen: DJD '\"H pro daß manche Rabbinen statt den Vvlksgeist zu leiten und zu läutern, mit dessen Mängeln noch in höherm Grade als es selbst behaftet sind? Den Schwächen der Zeit huldigen, erleichtern und lösen, die Vorzeit belächeln, ist das reformiren? Reformiren heißt eine geläuterte Religionsanschanung im Volksgeiste befestigen, die Schwächen desselben heilen, ihn gegen Schwierigkeiten stählen, und diese, wo es ohne Nachtheil der Religion geschehen kann, ebnen. Da giebt es fteilich viel zu reformiren. Man sorge für die Kenntniß des Judenthums und somit für die Liebe zu demselben durch Organisation des Jugendunterrichtö in der Religion. Es giebt Religionsschulen und Religionsbücher: aber wo ist die Garantie für die Befähigung der Religionslehrer? Von wem werden sie geprüft? Wo Rechte verhelfen; sondern „welche die Menge, das Volk, gerecht machen" und dies tit Bezug auf die Rabbinen, die hinterher Alles für recht erklären, worin das Publicum ihnen fteundlich zuvorgckommcn ist. —

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