Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 9 (Dezember 1844)
- Date
- 1844-12-01
- Page
- Seite 334 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Reformbesirebunge» und Emancipatiou. Rabbiners Stein entgegen, von dem man nichts Anders als eine Concession zu erwarten sich berechtigt glaubte. Da aber dieser wider Erwarten dagegen protestirte, wurden ihm von vielen Seiten bittre Vorwürfe gemacht mit den Worten: „In Einem Punkte will uns die Regierung einmal gleichstellen, und siehe da! der Rabbine ist der Stein des Anstoßes!" — Das heißt also Gleichstellung, daß man unsre confessionellen Gesetze nicht beachtet! O der Verblendeten, die sich fteuen des irdischen Joches, wenn sie dadurch nur des himmlischen ledig werden! Dieses Beispiel steht leider nicht vereinzelt da. Die Unkenntniß des Judenthums und deren Folge, die Geringschätzung desselben, die Schwierigkeiten, auf welche dessen Vorschriften gegenwärtig stoßen, der Emancipationsschwindel, besonders aber eine in Folge der langgewohnten Verachtung angenommene sklavische Selbsterniedrigung, wirken vereint so nachtheilig auf die Gemüther Vieler, daß sie an der Belächelung ihrer confessionellen Gebräuche, an der Herabsetzung ihrer frommen Vorfahren in dünkelhaftem Hochmuthe sich weiden, stolz auf Alles was das Judenthuin Gemüth-Erhebendes hat, herabsehn, und um einen lächelnden Blick christlicher Liebe ihre ganze Seligkeit hingäben. Doch glaubt man, solche Gesinnungen träfe man nur bei dem gemeinen Volke an, das nicht kennet den Weg des Herrn, so gehe man zu den Großen „zu den Wortftihrern und überzeuge sich, wie auch diese zum Theil nur das Joch abzuschütteln, die Bande abzuwerfen streben:" wie auch unter ihnen nach Verhältniß die Unkunde überhand nimmt, und die Gunstsucht sich zeigt; wie so mancher Rabbine, talmudischer Kenntniß bar, aus der Roth eine Tugend macht und nach Art der Chinesen das bespottet, was er nicht versteht, sich kühn über den Rabbinismus hinwegsetzt, weil er sich nicht in dessen Tiefe zu versetzen vermag; wie femer vor einer Rabbinerversammlung ungescheut in einer Predigt nach vielem eintönigen, nichtssagenden Gewäsche von Geist und Herz, Gemüth und Verstand, die herrlich rhetorische Phrase hingeworfen wird „Israel ward zum Sumpf, über den erst seit einem Menschenalter Winde strichen." Sehr gemüthvoll und geistreich zugleich, Herz und Verstand vereinigend, fürwahr! nur ein wenig verrechnet und unklug. Wer bürgt dem Redner dafür, daß wenn erst diese Winde zu nicht reinigenden sondern entwurzelnden Sturme würden zusammengcblasen werden, man sein Israel nicht wiederum im Sumpfe stecken ließe? 9 1) Wir machen beiläufig auf ein interessantes Muster bibl. Eregese in dieser Uede aufmerksam, wo nicht heißt: die vielen Gerechten za ihrem