Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-11-01 · 8 (November 1844) · p. Seite 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
8 (November 1844)
Date
1844-11-01
Page
Seite 325 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744867--0359-2745304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recenfionen. 325 Wahrheit verkünde. Die Erschwerung der Ehescheidung ist ein Nachmittel, ein Verband, auf die klaffende Wunde, von innen wuchert das Uebel fort: wie viel besser wenn der Körper an sich gesund ist und es zu solchem Ausbruche nicht kommt! Die jüdische Ehe ist gesund) sie hat eine geheiligte feste Basis, das jüd. Eheleben entspricht an Innigkeit, an Keuschheit, an gemüthlichem Zusammenleben allen Anforderungen der Moral: sie wird selbst von andern Conftssionen, die erschwerende Ehescheidung oder Unauflösbarkeit der Ehe haben, als Muster aufgestellt. Sie ist sich nicht bewußt des Princips der Liebe? Aber sie übt es in ihrer Bewußtlosigkeit. Das Leben, sagt man, nicht das Gesetz hat der jüd. Ehe diese Frische, diese Gemächlichkeit gegeben? Aber haben nur die Juden allein diese Zeit durchlebt, sie allein die Höhe der Zeit erreicht? Man will sie doch erst zu dieser hinaufziehen, weiß nicht genug von ihrem Aberglauben und ihrer Verschrobenheit zu erzählen und soll ihnen doch jetzt erst Licht anbrechen! Woher also diese Heiligung der Ehe? warum zeigt sich gerade bei ihnen die Ehe in solcher Weise verherrlicht? So muß denn doch auch in diesen Gesetzen ein innerer Kern gelegen haben, verflochten bei den Juden Recht und die Tugend sich so innig, daß die Tugend zwar nicht von außen als Gesetz vorgeschrieben wurde, aber von innen sich dazu gestaltete) durchdrangen sich Form und Wesen, schmolzen gesetzliche Bestimmungen und moralische Anempfehlungen ganz in einander, daß Eines vom Andern getragen, Eines durch das Andere gestützt, die Grundpfeiler und Festen des Ehelebens wurden. Und man greift so leichtsinnig an, weil man hier nicht die Konsequenz der Theorie findet, weil man der Ehe nicht das Privilegium zugesteben mag, glücklich und heilig zu sein ohne die Regeln einer gewissen Theorie befolgt zu haben, well man wie jener Arzt dem Genesenen beweisen will, daß er nach den Regeln der Kunst hätte sterben müssen? — Und man schrickt vor einem solchen Experiment nicht zurück? Diese Gesetze und Lehren haben sich als bewährt gezeigt, haben ihre Früchte getragen: man stellt nun Theorien auf, die unbezweifelt ebenfalls ihre Mängel haben werden. Aber sie werden Vieles Umstürzen, Vieles auflösen, ihnen gehet die Autorität des Anerkannten ab und ziehen sie vielmehr gegen eine große Geschichte, gegen allgemein Verbreitetes und Erprobtes zu Felde: wie sträflich also das Umstürzen, weil man dort Manches zu tadeln findet! Dieses im Allgemeinen; in einer Recension kann das Ausführliche nicht besprochen werden, und kehren wir zu Hrn. H. zurück, um nur einige Proben zu geben, wie er auch hier verfährt. — S. 123 ziehet er zu Felde gegen den Talmud Ketubot k. 72 und Eben Haeser 115, 1—5 „der auch die ceremoniell-religiösen Vergehungen der Frau als Grund zur Ehescheidung gelten läßt, während nach unseren Begriffen Ehen auch unter verschiedenen Conftssionen stattfinden können, ... und wenn die Verschiedenheit der religiösen Denkungs- und Handlungsart ein wirklicher Ehescheidungsgrund wäre, wie viele glückliche Ehen müßte man als moralisch getrennt betrachten." Der Vers, selbst bemerkt nun (Anmerk. 87), seine Rüge treffe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.