Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 317 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über Synagoge und Schule. 317 Rabbinatscollegium zu ernennen nicht kam.; welchen unmittelbaren Einfluß konnte er üben und wie mußte er sich nicht hier als gehemmt und wirkungslos erscheinen? S. hätte aber vielleicht seine moralische Macht mehr benützen können: S. war hier geschätzt wie in vielen Jahren Keiner vor ihm: seinem Worte wurde geglaubt, seine Belehrung machte tiefen Eindruck und es ist über raschend, mit welcher Hochachtung sein Name bis in die untersten Klassen genannt wird. Wie segensreich hätte S., würde er sein Auge auf den relig. Unterricht geworfen haben, sein können; welcher mächtige Einfluß stand ihm zu Gebote hätte er in feuriger Rede das hierher Gehörende besprochen, durch sein Ansehen die Privatlehrer controllirt und sich von den Fortschritten der Jugend überzeugt, durch häufige Prüfungen, zu denen unbezweifelt die Ettern mit Liebe ihre Kinder geschickt hätten, lebendigen Eifer sowohl im Herzen der Lehrer als der Schüler angefacht und so bewahrheitet, daß der begeisterte und von Frömmigkeit durchdrungene Mann auch ohne Schulzwang zu seinem göttlichen Ziele gelangt Aber S. mochte sich durch die im folg. Artikel zu erwähnenden Verhältnisse der Schule sehr beengt sehen; und so rufen wir ihm denn ein wehmüthiges Lebewohl bei seiner Uebersiedlung nach Berlin nach. Möge er dort einen seiner Gelehrsamkeit und seinen Kräften angemessenen Kreis finden, möge er dort nie die Empfänglichkeit vermissen, die Prag ihm in so reichem Maaße bewährt und an die er — wir behaupten es mit Zuversicht — gewiß nie ohne Rührung zurückdenken wird. — Für unfern Tempel aber hegen wir den tiefgefühlten Wunsch, daß die Predigerstelle nicht lange unbesetzt bleibe und S. bald einen definitiven Nachfolger erhalte. Kein Interim, keine abwechselnde Vertretung durch Dilettanten. Liegt zwar manches Gerechte in dem Wunsche, daß Kandidaten Gelegenheit gegeben wird sich zu üben und zum Volke zu sprechen, so mag dieses bei seltenen Gelegenheiten an seinem O^e sein; hingegen kann eine ansehnliche Kirchen- oder Synagogengemeinde durch längere Zeit mit solcher Vertretung, der man doch immer ihr eigentliches Ziel, Selbstübung, absiehet, nicht zufrieden sein und verliert hierdurch das Predigtamt selbst Manches in den Augen des Volkes. Unser Tempelvorstand möge daher nicht zögern; in seiner Wahl selbst aber leite ihn der Gedanke, daß der Tempel auch in Zukunft nicht von dem allgemeinen Shnagogenverbande losgerissen werde, und er so wie bisher von den Jungen geliebt und von den Alten geachtet bleibe. Ueber den Ritus unfers Tempels bemerken wir blos, daß er größtentheils dem Wiener nachgebildet ist und daher auch dessen Gebrechen theiltwir meinen das Annähern an die katholische Kirchenweise, Dieses fällt besondres bei manchen Recitativ (wie und fYDtf u. a. m.), das an die Messe in mancher Hinsicht erinnert, sehr auf; so. wie überhaupt die Recitation zuweilen in ein burschikoses, polterndes, jede Andacht entbehrendes schnelles Absagen ausartet. Unser Tempel hat übrigens auch eine Orgel die am Eingang des Sabbaths und an den Halbfeiertagen in Wirksamkeit ist, an den Ruhe- und Feiertagen aber ebenfalls ruht. ’) W. 1) Der zweite Artikel in einem der nächsten Haste. D. Red.