Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 316 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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31k Bericht über Synagoge und Schule. und so mußte denn etwas geschehen. Doch konnte ein hinreichender Fond zur Erbauung eines Tempels nicht aufgetrieben werden: daher griff man zu dem Mittel, die s. g. Altschule in einen Tempel umzuwandeln, wobei es natürlich an manchen Gewaltstreichen nicht fehlte, da die früheren Besucher, deren mehrere grundeigenthümliche Besitze hier hatten, sich nicht gutwillig wollten verdrängen lassen. Schon während des Umbaues der Synagoge in den Tempel wurde vr. Zunz aus Berlin her berufen; er verließ aber schon nach einem Jahre Prag und vr. M. Sachs trat an seine Stelle. Den trefflichen Predigten S's so wie seinem religiösen, nach keiner Seite Anstoß erregenden Lebenswandel verdanken wir das friedliche Bestehen des Tempels neben beu andern Synagogen. Unser Tempel nimmt, wie schon früher bemerkt wurde, keine isolirte Stellung ein; man arbeitete hierorts keineswegs darauf hin eine Tempelgemeinde, eine eigene Corporation zu bilden, um bei Gelegenheit als Vertreter derselben seine Stimme geltend zu machen. Der hiesige Tempel-stehet in der Reihe der anderen Synagogen; seine Besucher haben einen geordneten Gottesdienst, ließen Manches von den alten Gebetstücken weg; ein solches reformatorisches Recht hat hier im Grunde jede Synagoge, so man sich sonst darüber einigt und vom Rabbinatscollegium (wenn es stch anders um die Synagogenangelegenheit kümmert) kein erheblicher Einwand dagegen gemacht wird; und wenn der Tempel durch sich selbst erhalten und sein nicht unbeträchtlicher Aufwand aus seiner, eignen Mitte bestritten werden nmß, so theilt er hier ebenfalls das Schicksal der übrigen Synagogen, sofern sie nicht durch frühere Fundationen gesichert sind. Noch weniger kann eine Jsolirung aus der Anstellung des Predigers hergeholt werden : auch in den andern Synagogen wird zuweilen deutsch gepredigt, und entscheidet daselbst häufig der Wille des Synagogenvorstehers, der einem Rabbinatscandidaten eine solche Erlaubniß gibt, aber auch in seiner Wahl zuweilen unglücklich ist; daher denn auch diese Predigten hier scherzweise „Gastrollen fahrender Komödianten" genannt werden. Der Tempel hingegen hat seinen bestimmten Prediger und je vierzehn Tage Predigt; und er mußte also bald eine würdige Stelle hier einnehmen und an die Spitze der übrigen Gotteshäuser treten. Sachs selbst hat am meisten zu dieser Hebung und Geltung beigetragen: seine geistreichen Reden ziehen Hörer aus allen Synagogen herbei, der religiöse Gehalt befriedigt alle Parteien; und darum gibt sich von jeder Seite ein tiefes Bedauern kund und fürchten wir, daß der Tempel einen unersetzlichen Verlust erleide. — Nur nach einer Richtung hin wäre eine erhöhte Thätigkeit S.'s sehr wünschenswerth gewesen; nach der Beaufsichtigung des religiösen Jugendunterrichts. S. hat zwar hier eine Stellung, die ihn nicht befriedigen kann: sein strebsamer reger Geist will wirken, will einen großen Kreis angewiesen haben, in welchem er seine Kraft bethätige, unmittelbar irr das Leben eingreife, neue Gestaltungen und Formationen ins Sein rufe. In Prag fehlt die Gelegenheit hierzu: der Prediger steht nur dem Gotteshause vor: die religiösen Angelegenheiten der Gemeinde sind ihm nicht untergeben; und da man selbst auf den so naheliegenden Gedanken, ihn wenigstens zum Beisitzer bei unserm