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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-11-01 · 8 (November 1844) · p. Seite 314

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
8 (November 1844)
Date
1844-11-01
Page
Seite 314 (sequence 28)
Language
German
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314 Bericht über Synagoge und Schule. jener Periode manche, wenn auch nur schwache Spuren zurückgeblieben. Vergleicht man Prag mit andern großen jüd. Gemeinden Deutschlands, mit -Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, so behauptet es an talmudischem Wissen weit den Vorrang, denn während in jenen Gemeinden das Talmudstudium sich selten über den Kreis der drei, mit der rabbinischen Function bekleideten Personen hinaus erstreckt, wird es bei uns noch lebhaft von vielen Privatmännern getrieben, und widmen sie ihm gern manche ihrer Mußestunden. Doch darf man sich nicht verhehlen, daß es auch bei uns dem Erlöschen nahe sei, da die jüngere Generation es kaum dem Namen nach kennt, und dasselbe nur als ein Historisches, einst Dagewesenes betrachtet. Doch fehit ihr auch aus weiter näher anzuführenden Gründen die Gelegenheit sich mit ihm vertraut zu machen, so hat sie doch den Begriff mit herüber genommen, daß der Rabbiner in seinem Fache gelehrt sein und nach den Lehren des von ihm vertretenen Faches leben soll. In manchen jüdischen Gemeinden Deutschlands hält man es vielleicht anders; die gute Predigt, das treffliche Organ, die philosophischen oder philologischen Studien gualificiren zum Rabbiner. Bei uns kann man sich noch immer nicht von der Ansicht lossagen, daß Deklamation wohl den Redner, allgemeines Wissen den Gelehrten, aber noch immer nicht den Geistlichen machen; dieser muß ganz die Zweige der Theologie erfaßt und sie in sich ausgenommen haben. Diese Ansicht wird sich allem Anscheine nach noch lange hier behaupten; und Ref. glaubt es prognosticiren zu können, daß man auch anderswo, ist die jetzige Krisis überstanden, zu dieser Erkenntniß gelangen und die Forderungen an den Rabbinen höher als jetzt, wo man sich ihrer gar nicht klar bewußt ist, und diese Bewußtlosigkeit von mancher Seite gern unterhalten wird, werden gestellt werden. — Es liegt also den hiesigen Rabbinatsverwaltern eine hohe Aufgabe ob: das Studium des Talmuds zeitgemäß zu heben. Sticht in seiner antiguirten Form, in der sich selbst überlebten unnützen Disputationsweise und in dem Flittergolde der weit aussehenden bodenlosen Casuistik soll es zu Ehren gebracht werden; aber wohl sollen die Candidaten der jüd. Theologie wissenschaftlich in ihr Fach eingeführt und mit ihm so vertraut gemacht werden, daß sie es nach seiner Tiefe ergründen, über theologische Anfragen Bescheid wissen und sich tüchtiges Wissen aneignen. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß zu einer solchen Belehrung Niemand mehr als R. geeignet, er dazu berufen sei, eine wissenschaftliche Wärme und einen regen Eifer von Neuem anzufachen, und den vielen an hiesigem Orte lebenden, sich selbst".überlassenen und sich häufig verflachenden Rabbinatscandidaten als Leiter zu dienen. R. mag wahrscheinlich durch viele andere Berufsgeschäfte bis jetzt verhindert worden sein, dieser hohen Mission in ihrem Umfange nachzukommen; vielleicht mochte auch die Arroganz mancher Zudringlinge, oder weil er auf zu wenig Empfänglichkeit traf, ihm diesen Beruf verleidet haben. Aber ein Geist wie R., der von oben mit den trefflichsten Segnungen bedacht wurde, wird über diese Hindernisse sich erheben, in ihnen selbst einen neuen Sporn zu vergrößerter Thätigkeit

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