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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-11-01 · 8 (November 1844) · p. Seite 313

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
8 (November 1844)
Date
1844-11-01
Page
Seite 313 (sequence 27)
Language
German
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Bericht über Synagoge und Schule. 313 nicht dem Bedürfnisse der Gemeinde; und da ihre Anstellung sich erst von zehn oder acht Jahren herdatirt, so Mt selbst die sonst sehr zu ehrende Rücksicht, daß es zu der Zeit, als der Mann in fein Amt gerufen wurde, anders ausfah und er damals genügte, bei uns weg. Wir haben schon oben über den schädlichen Einfluß gesprochen, der durch Verfolgung einer sehr zu mißbilligenden Tendenz auf die Besetzung der Rabbinerstellen hier in Prag geübt wird. Berücksichtigen wir noch, daß die Stellen selbst mit keinem firen Gehalte verbunden sind und sie Mancher mtr bekleidet um die Dreizahl des Collegiums (pn n*Q) zu vervollständigen, so fällt der erwähnte Vorwurf der Mangelhaftigkeit nicht auf die Beisitzer des Rabbinats, sondern auf die Gemeinde und unmittelbar auf den Vorstand, der gerade in dieser religiösen (!) Angelegenheit, der Ermittelung einer von drückenden Nahrungssorgen freien Stellung, sich bescheiden fernhält. Konnte doch selbst die Vocation Rappoport's nur durch das Zusammentreten mehrerer Privatleute, die sich auf eine Anzahl Jahre zu einem jährlichen Beitrage verpflichteten, bewerkstelligt werden! — Daß nun mit der Wissenschaft und dem Zeitgeiste vertraute Männer grade kein Gelüste nach der Stelle eines Oberjuristen in Prag in sich verspüren können, ist unbezweifelt; und ist also R. der alleinige Vertreter und auch hinsichtlich der Belehrung des Volkes, der alleinige Vollstrecker des Rabbinats. R's öffentliche Vorträge (P"\wn) tragen ganz das Gepräge seines Geistes; er verbindet das Antike mit dem Modernen, rollt die Vergangenheit auf und zeigt, wie die Gegenwart sich in ihr abspiegelt, giebt Aufschluß über Facta in der alten Zeit durch das Leben in der Jetztzeit, begeistert und reißt durch seine eigne Begeisterung hin, belebt und regt an durch seine Gedankenfülle, überrascht durch frappante Deutungen, befriedigt durch glänzende Erklärungen und gewinnt nicht nur das Gemüth sondern giebt auch dem Verstände Nahrung, so daß der Hörer Wesentliches zur Nacherinnerung und Nacherzählung mit sich nimmt, und ihm ein reichlicher Stoff zum Nachdenken bleibt. R. ist aber nach dieser Charakterisirung kein eigentlicher Volksredner, seine Vorträge setzen schon einen gewissen Grad von Bildung und wissenschaftlicher Empfänglichkeit voraus; und wenn man selbst bei manchen berühmten Predigern unsrer Zeit über den Mangel an Tiefe, die durch eine seichte Breite ersetzt werden soll, klagen hört, so dürste gerade R's Tiefe, für die ihm zuweilen das Wort fehlt, und der Zuhörer sich Vieles ersetzen mrlß, den größern Haufen zurückstoßen! Zudem sind diese öffentlichen Vorträge sehr selten — fünf* bis sechsmal des Jahres —; wie erwünscht wäre es also, daß R. wenigstens jeden Monat eine derartige Derascha hielte! Wir müssen noch auf eine andere Art der Belehrung eingehen. Es ist bekannt, daß der letzte Rabbiner Prags Ezechiel Landau in seiner Person die lebendigsten Interessen zu vereinigen gewußt, und durch seine tiefe und umfassende Gelehrsamkeit nicht minder als durch seinen Scharfsinn und seine Dialectik Prag zum Mittelpunkte des Talmudstudiulns jener Zeit, seinen Hörsaal zu einer Art gelehrter Akademie erhoben hatte. Noch find aus

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