Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 312 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2744856-2744857-2744867--0346-2745291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
312 Reformbestrebungen und Emancipation. verwerflichen Gnmdsatz: kaeretieiZ nulla ckeketur fides, adoptirt hat, daß im Gegentheil der Talmud, welcher keinesweges gegen Nichtjuden freundlich gesinnt war, noch nach den Umständen es sein konnte, doch die Gerechtigkeit gegen sie nie aus den Augen verlor, und auch die geringste Täuschung gegen sie als Unredlichkeit bezeichnet; daß Josua, trotz des harten Auftrages den Bertilgungskampf gegen die Kananiten zu unternehmen, den von den Gibeoniten durch List und Trug den Israeliten entlockten Eid gehalten, daß aber der 16. Artikel der deutschen Bundesacte noch heute nicht in Erfüllung gegangen ist. — (Fortsetzung folgt.) Bericht über Synagoge und Schule. (Fortsetzung.) Forschen wir weiter nach den Manifestationen der Wirksamkeit unsres Rabbinats und beschauen wir aufmerksam das Gebiet, das ihm eingeräumt ist. Wir gehen von der gewiß von Jedermann uns zugestandenen Voraussetzung aus, der Rabbiner habe das Volk zu belehren, und ist hier die Auskunft über Rituelles dorr den eigentlichen religiösen Vorträgen zu unterscheiden. Was nun letztere anbelangt, müssen sie, da sie an das Volk gerichtet sind, populär sein und spielen gewöhnlich mehr auf die religiös-moralischen Gebote hinüber oder umfassen das Judenthum in seiner Allgemeinheit und nach seinen Grundlagen, bleiben gewöhnlich bei den Geboten stehen, die die Pfeiler des Glaubens ausmachen, ohne aber auch hier zu sehr aufs Specielle sich einzulassen. Dem Volke muß z. B. in einem religiösen Vortrage das Heilige und Große der Idee des Sabbaths, des Versöhnungstages, der Enthaltsamkeit- und Keuschheitsgesetze mitgetheilt werden: über die Einzelnheiten mag man sich in Privatanfragen Rath erholen. Und in diesem letzten Punkte liegt eben der große Gegensatz der Gegenwart zu der Vergangenheit, wenigstens zu den letztverflossenen Jahrhunderten: diese hatten das Judenthum nach allen seinen Einzelnheiten erfaßt und liebgewonnen, und war daher Alles bis auf die entfernteste Specialität Idee, ein Göttliches geworden; die Gegenwart erfaßt das Allgemeine, und man kann mitunter nur den Mangel an Tiefe beklagen, der selbst für dieses Allgemeine sich nicht zu begeistern vermag. — Jedenfalls bleibt aber das Verhältniß des Rabbiners, der nur beim Speziellen verbleibt, sich auf die Beantwortung von beschränkt, ohne durch passende allgemeine Vorträge das Volk zu belehren, für unsre Zeit ein unnatürliches; und dieses ist es, was mit Ausnahme R's »wir bei unserm Rabbinate sehr zu beklagen haben. Wir ehren die Gelehrsamkeit und den frommen biedern Charakter der beiden anderen Beisitzer, nur entsprechen sie