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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-11-01 · 8 (November 1844) · p. Seite 310

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
8 (November 1844)
Date
1844-11-01
Page
Seite 310 (sequence 24)
Language
German
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310 RefombestreLimge» und Emancipation. Verwarfen, ließ man sich ihnen gegenüber auf Beweisführungen ein, deren viele sich Talmud Synhedrm 90 ') zusammengestellt finden, unter ihnen merkwürdiger Weise dieselbe, die nach den Evangelien auch Christus gegen die Sadducäer geltend machte. Auch lehrte der Stifter der christlichen Kirche keineswegs die Unsterblichkeit als etwas Neues, spricht vielmehr darüber,'als etwas allgemein Gekanntes und Anerkanntes. Wie aber die Juden das jenseitige Leben anffassen, zeigen die Aussprüche des Talmuds, von denen wir nur folgenden ansühren, den nach Talmud Berachoth 17 a Rab im Munde führte: „ In der künftigen Welt giebt es weder Essen noch Trinken noch Geschlechtstrieb: noch weltlichen Verkehr, nicht Neid, nicht Haß, nicht Erbitterung, sondern die Frommen weilen dort gekrönten Hauptes (d. h. geziert mit ihren guten Werken und der Tugendpalme, wie Albo erklärt,) und laben sich am Glanze der Herrlichkeit des Herrn. Ja, die beste Widerlegung des Vorwurfes, als hange der Jude, weil seine mosaischen Bücher nicht einstätig genug sind, das Zeitliche für sündlich und verachtenswerth zu erklären „am Irdischen," ist das Verhältnis, welches die Mischnah zwischen dem Erdenleben und dem Jenseits giebt: Es heißt Aboth 4, 17. R. Jacob sagte: diese Welt gleicht dem Eingänge und jene dem Palaste: bereite dich hier vor, daß du dort wohl ausgenommen werdest; derselbe erklärte: Besser ist eine Stunde der Gcistesfteuden jener Welt als ein ganzes Erdenleben. Er ging sogar so weit, daß er den Ausspruch that: „der Lohn der Tugend findet in dieser Welt nicht statt." Kidduschin 39 b. Noch mehr aber als diese Seligkeit, schätzen und verehren die Talmudisten die Tugend an sich, und halten selbst die Ausübung derselben wegen der Erlangung der Seligkeit als eine noch unreine, unedle, wie Antigonus 180 Jahre vor Ehr. lehrte: „dienet nicht dem Herrn um Lohnes willen, sondern auch ohne Lohn; dann wird wahre Gottesfurcht euch beseelen." Eine so reine Tugendlehre ging von den Anhängern der „am Sinnlichen haftenden" mosaischen Bücher aus! Und einer solchen gemäß hatte das jüd. Volk stets die höhere Kraft bewiesen, mit edler Selbstverläugnung Leben, Ehre und Gut seiner Ueberzeugung, Alles was dem Leben theuer ist seinem Glauben als Opfer zu bringen: und während Andre 1) Der Herr Herausgeber machte uns aufmerksam, daß jene Stellen als Beweise gegen christliche Polemiker angeführt werden; wir glauben aber mehr Grund zu der Annahme zu haben, daß sie gegen die Sadducäer gerichtet sind, besonders da zufällig eine Stelle mit dem N. T. zusammenstimmt. Dem sei aber wie ihm wolle, ist es auch sonst vielfältig aus dem Talmud ersichtlich, daß er von dem in Reinheit aufgesaßten Unsterblichkeitsglauben durchdrungen war.

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