Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 309 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Reform-rstreblmgen und Emancipation. 309 Entwickelung derselben muß, wie es in den Büchern Mosis geschieht, durch heilsame Erziehung und Heiligungsgesetze unterstützt werden; und wäre sie, dieBlüthe der Religion, dem damals dafür unempfänglichen Volke gelehrt worden, so hieße dies das Gebäude mit dem Giebel beginnen. Als Vehikel zu einem frommen Leben aber ist die Unsterblichkeitslehre unpraktisch. Wer einmal durch Hoffnung oder Furcht zur Frömmigkeit getrieben werden muß, bei dem wird die Aussicht für dieses Leben weit wirksamer sein, als die in eine ferne nur geahnte Zukunft, deren Annahme in seinem sinnlichen Herzen nur schwache Wurzel gefaßt haben kann. Daß dennoch in den Büchern Mosis Andeutungen auf die Ewigkeit des Geistes gegeben sind, kann zwar bestritten, aber doch eher behauptet werden, als daß Moses von der Unsterblichkeitslehre nichts gewußt habe. Daß aber aus dem Boden des Mosaismus die Unsterblichkeitslehre sich früh entwickelt habe, geht aus den Bildern von der Auferstehung bei Jes. und Hesek. hervor, welche diesen Glauben im Volksbewußtsein voraussetzen, zeigt sich dem Unbefangenen deutlich genug in den Psalmen, noch mehr aber im Pred. Sal., wo diese Lehre schon scheinbar bezweifelt wird (Pred. 3,21.), was eine allgemeine Annahme derselben, die auch Pred. 12, 7 bestätigt, voraussetzt. Daß endlich der Auferstehungsglaube bei den Juden keine erotische persische Psianze ist, hat Hengstenberg in seiner Authentie des Pentateuchs durch den Nachweis auf „Stuhr: Religionssysteme des Orients S. 339" begründet, indem nach diesem Forscher die Geburt der Religion des Zerduscht erst in die Zeit des Darms fällt. Doch dem sei, wie ihm wolle, so bleibt es stets eine höchst uugerechte Anmaßung, wenn das Christenthum sich die Priorität dieser Lehre zuschreibt, wenn christliche Prediger, um ihren Glauben zu verherrlichen, der Geschichte Hohn sprechen und die Juden zu Christi Zeiten als in der Finsterniß wandelnd, mit der Ewigkeit des menschlichen Geistes noch ganz unbekannt, darstellen. Man lese doch die Apokryphen, besonders die „Weisheit Salomonis", wo von dem jenseitigen Leben weitläufig abgehandelt wird, man vergleiche doch, was Joseph. Antiquit. L. 18. c. 2 und besonders de bello Judaico L. 2. c. 12 über das Unsterblichkeitsdogma der Pharisäer berichtet, um sich zu überzeugen, wie tief diese Lehre lange vor Christus bei den Juden Wurzel gefaßt, und zu welcher Allgemeinheit sie gelangt war. Sie war so innig mit dem Judenthume verwebt, daß die Schristgelehrten es nicht einmal für nöthig hielten, dieselbe wie sie bei andern Lehren thaten, erst ans dem Buchstaben der mosaischen Bücher zu erweisen. Erst als die Sadducäer ans den Buchstaben der Schrift sich berufend die Unsterblichkeitslehre