Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 302 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Die Rabbinervcrsammlung zu Braunschweig. andern Antrag (S. 43), die Aenßernng: die Versammlung habe bis jetzt nur lauter Negationen ausgesprochen, man muß auch Positives geben. Hierauf erwidert ein Redner, daß ja aus jeder Negation eine Position folge, und fügt hinzu: „es gibt ja 248 Gebote N12Q und 365 Verbote ru^yn nb-" Sonderbar wenn jede Negation, wodurch etwas bisher Gebotenes annullirt wird, unter die nS ntJ'yn gerechnet werden sollte; wenn, wie z. B. ein Redner S. 90 meint, „wir vielleicht die Sabbathfeier auch ohne die Sabbathruhe erhalten können," man zuletzt die Sabbathruhe unter die rviSB ncyn werfe.- Abermals ein würdiger Ernst! Wir erhalten aber noch mehr Auskunft bei einem folgenden Antrag, der von der Versammlung mit besonderm Interesse ausgenommen wurde und über den fast alle Mitglieder sprachen. Wir wollen nicht zweifeln an der Redlichkeit dieser Männer; aber diese allein befähigt nicht zu einem Mitglied« einer Rabbinerversammlung. Es gab wohl redliche Männer unter den Gliedern des Resormvereins; wären sie berufen Theil an dieser Versammlung zu nehmen? Sie meinten es nach ihrer Weise ehrlich, aber ihre Weise ist nicht die des Judenthums. Wenn nun Rabbinen mit solcher feindseligen Gesinnung hier erscheinen, so können sie bei aller Ehrlichkeit nicht als Vertreter des Volkes angesehen werden, sie haben dessen Vertrauen mißbraucht. Es wird freilich vorgewendet, daß die Liebe zum Judenthume sich beim Volke verliere und man aufgeben müsse um zu erhalten; aber welche Verantwortlichkeit liegt auf Jenen, die das Volk noch weiter treiben, es um sein Judenthum bringen, daß alle Liebe zu ihm verloren gehen muß! — Es wird hier gesprochen über das Gebet in hebräischer Sprache; und wer mit dem Volke fühlt, wer mit ihm lebt und seine Andacht theilt, wer im Judenthume stehet und weiß was im Herzen vieler Hunderttausend in und außer Deutschland sich regt, der begreift mit welcher Innigkeit, mit welcher Verehning der Jude an dem hebr. Gebete hängt, welche Fülle ihm der geheiligte Name einschließt, wie seine nttfHp ihn mit frommer Andacht belebt, wie diese Sprache ihm als Sprache seiner heiligen Bücher, als der Ausdruck in welchen seine Gebote verzeichnet sind, als Laute in welchen seine begeisterten Propheten lehrten und ermahnten nnd straften, seine unsterblichen Sänger dichteten und Gott priesen, ein höheres, theucres und unveräußerliches Erbtheil ist und er in ihr sich Gott näher fühlt, in ihr vorzüglich sich zur Andacht erhebt. Wir habe» keinen umfassenden Ausdruck fiir das was dem Juden in dieser Sprache das Gebet: Andersglaubende können sie nur zum Theile würdigen, können nur von fern die Innigkeit begreifen,