Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 299 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Rabbinerversammlung zu Braunschweig. 299 Glauben mußte man im Auge haben, und was für ihn ohne alle persönlichen Vor- und Rücksichten anszuführen sei. Und was hatte es überhaupt mit dieser Furcht für eine Bewandniß? Was konnte von anderer Seite her ausgesprochen werden, was die Versammlung nach ihren Haupttheilen hätte zu scheuen gehabt und womit sie nicht selbst in ihren Protokollen hervorgetreten wäre? Oder fürchtete sie vielleicht, man werde sie der Orthodoxie verdächtigen? Dieses scheint doch wenigstens nach dem Vorworte, wo von „verdächtigenden pharisäischen Heuchlern" (ein allerdings etwas befremdender Ausdruck im Munde von Rabbinen), gerade nicht in Aussicht gestanden zu sein. Wir folgen noch weiter den Formen, die nun aber allmälig zu sehr mit dem Wesentlichen zusammenwachsen, daß wir auch letzteres zugleich mit berühren müssen. Die Rabbinerversammlung, die hier zum erstenmal zusammentritt, die sich selbst noch nicht über das Princip das sie festhalten will, klar ist, deren Aufgabe doch wohl nicht eine noch größere Verwirrung der jetzt so aufgeregten Zustände, sondern wo möglich eine Beschwichtigung der Gegensätze sein muß, und die daher als Grundlage nicht Oeffentlichkeit sondern öffentliches Vertrauen anstreben mußte, beginnt mit Niedersetzung einer Commission „zu einer zeitgemäßen und zeitdringenden Reform des jüdischen Ehegesetzes" (S. 30). Abermals ein - Erschüttern in den innersten Wurzeln! Selbst zugegeben daß die jüd. Ehegesetze vor der Theorie nicht bestehen: in der Praris haben sie nicht nur ihre tiefbegründete historische Bedeutung, sondern sie sind von dem heilsamsten moralischen Einfluß auf das ganze jüdische Familienleben durch eine große Reihe von Jahrhunderten getvesen. Die Reform wird nicht voni Leben so dringend und unbedingt gefordert: die Reform ist aber, wenn sie nicht von allen Seiten als nothwendig anerkannt wird und man sich mit ihr einverstanden erklärt, vom größten Nachtheil; sie greift in die geheiligtesten Verhältnisse ein und es sind die Zerwürfnisse, die Auflösung nach allen Seiten hin, unabsehbar: unabsehbar der heftige Kampf und Widerstand, die sich erheben und nicht etwa nur bei Verketzerung und Anfeindung sondern bei wirklicher Abschließung und Absondemng eines Theiles von dem andern enden muß. Die Ehe stehet in Israel in großer Heiligkeit, das Eheverhältniß wird für unverletzbar gehalten und rächt der Eingriff sich noch an den Kindern, die nicht in die Versammlung Gottes kommen dürfen (Deut. 23, 3) '). I) Vgl. oben S. 278.