Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 294 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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294 Die Rabbinerversammlnng zu Braunschweig. bilde. Und soll fiir das Volk gewirkt, soll sein Vertrauen erlangt werden, so muß ein solcher Ernst es von der Aufrichtigkeit der Gesinnung überzeugen, dieser Ernst ihm die Garantie für die gebührende Würdigung des religiösen Lebens geben, und daß nicht Leichtsinn oder Geringschätzung an den Vorschlägen und Berathungen Antheil habe. Wir gehen nach diesen nach ihren Grundzügen gezeichneten Kriterien zu den Protocollen über, aus denen selbst wir uns Auskunft, wie diesen Anforderungen entsprochen wurde, erholen wollen. Nur Einer allein ist Herr und Richter der Gesinnungen, darum keine Verdächtigung, .keine Voraussetzung irgend einer unreinen Absicht, so sie nicht auf bedauerliche Art uns deutlich entgegentritt: wir halten uns an die Worte und Weise der Verhandlungen, suchen in ihnen den Ausschluß für die Weihe und Berechtigung der Versammlung. Unsere Aufmerksamkeit werden wir zuerst aus die Form richten, auf die Art der Behandlung mancher wichtigen Frage: ob sie nach ihrer Tiefe aufgesaßt und gewürdigt worden, ob man mit abwägendem religiösen Ernst zu Werke ging, sich bewußt war, daß ein leichtes Abfinden sowohl dem Glauben als der Wahrheit als dem Volke gegenüber unwürdig sei. Die Rabbinerversammlung zu Braunschweig besprach die wichtigsten Gegenstände, hat es auf Radicalreforiuen abgesehen, hat gerüttelt an den Grundpfeilern und jedenfalls Vieles aufs Spiel gesetzt. Wie weit sie im Rechte war und ob Solches in der Aufgabe einer ersten Zusammenkunft lag, wird sich bei genauerm Durchforschen ergeben. Hielten sich die Mitglieder dieser Versammlung dazu ermächtigt und gingen mit gehöriger Orientirung und Uebersicht an ihr Werk, so sind sie wenigstens in ihrem Gewissen verantwortet. Wie sehr muß aber beftemden, daß man eine der wichtigsten Fragen, ohne auf sie vorbereitet zu sein, zu beantworten übernimmt, und sie auch ohne die nöthige Einsicht und Klarheit erledigt? Ein Redner stellt (S. 19) den 14. Juni den Antrag, die Versammlung soll die Antworten der franz. Sanhedrin ') vom Jahre 1807 annehmen. In diesen Antworten wird ein höchst wichtiger Punkt berührt. „Kann ein Jude eine Christin heirathen und ein Christ eine Jüdin? oder will das Gesetz, daß die Juden sich untereinander verheirathen?" (Frage 3). Diese Frage bell Eigentlich des ftanzös. Sanhedrins. Dieses war zu zwei Drittheilen aus Rabbinen und einem Drittel aus weltlichen Beisitzern zusammengesetzt, mit dem Rabbiner David Sintzheim als Präsidenten. Dem Sanhedrin war die Depujirten-Versammlung vorangegangen, in welcher geistliche und weltliche Mitglieder vermischt waren; Präsident war Furtado.