Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 292 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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292 Die Rabbinerversammlung zu Brannschweig. sich von Resormsucht fern halte. Das Judenthum ist nicht ein Pfaffenthum, die Rabbinen wurden nicht — wie wir in dem vorerwähnten Aufsätze, auf den wir als Grundlage hier weiter fortbauen, erwähnten — von selbstischen verächtlichen Zwecken geleitet; sie waren bei mancher Schwäche fiir Gott begeisterte Männer: darum darf nicht Haß gegen sie mitgebracht, darf nicht die Erwähnung „rabbinisches Judenthum" mit der Verachtung erfüllen, die es um jeden Preis auch dem Volke verächtlich machen will und ihm seine Anhänglichkeit als verwerflichen Aberglauben, als unnützes auszujätendes Unkraut darstellt. Eine -solche Reformsucht führt zum unvorsätzlichen, nicht selten zum vorsätzlichen Verrath; man wird es vielleicht bei glücklichem Erfolge dahin bringen, daß das Volk an sich selbst verzweifle, an sich irre werde und sich selbst aufgebe: und wie traurig wenn dieses die Früchte der Zusammenkunft von Rabbinen sein sollten! Darum wird ferner auch Vorsicht gefordert: Vorsicht in Aeußerungen und in Vorschlägen. Es ist anzunehmen, daß bei dergleichen Zusammenkünften man auf das von vielen Seiten sich erhebende Verlangen nach Reformen eingehen und die Resultate selbst Reformen aussprechen werden. Darf nun bei Vorschlägen für das Volk nicht das theoretische Bewußtsein allein entscheiden, so muß Vorsicht, ein besonnener tiefer Einblick in das Gesammtleben und das allgemeine Heiligthum, der Leitfaden sein: muß der Zusammenhang des zu Reformirenden nach allen seinen Ausgangspunkten, nach seinen Lebensfasern und ob es nicht mit dem Lebensnerv-Zusammenhänge, und ob man nicht indem man jenes ausreißt diesen zugleich durchschneidet, und ob man nicht, indem man hier und dort wühlt, hier und dort wegschafft, das ganze Gebäude durchwühlt und untergräbt und es dann nur wenig bedarf um Alles wegzuschaffen, erforscht und ergründet und mit der heiligsten Sorgfalt erwogen werden. — Es wird ferner religiöse Umsicht verlangt, daß bei den so häufigen Anforderungen der Ausgleichung des Lebens mit dem Glauben, man auch anderswohin als auf das so nahe liegende Gebiet der Reformen den Blick werfe. Es liegt überhaicht in solchen Ausgleichungsversuchen etwas Unheimliches, etwas das das religiöse Gewissen nie ganz beruhigt. Wo ein Gebot seine innere Nothwendigkeit in sich trägt, wo es nicht als Unbedeutendes und der Höhe der Zeit nicht Entsprechendes angesehen werden kann, und man es einzuzwängen oder zu umgehen oder zu reformiren sucht, weil das Leben Concessionen verlangt, da liegt in dem Beweggrund etwas Materielles, ist es ein Herabziehen des Göttlichen zur Erde, eine Unterjochung des Höhern unter das Niedere, des Ewigen unter das Vergängliche, die